Stadtmuseum präsentiert Textilien für die Reihe "Tracht im Blick"
Genug Stoff für eine Ausstellung

Eva Maria Keil präsentierte das "Empfindlichste", was das Museum aktuell im Bestand hat. Bild: Huber
Kultur
Schwandorf
14.04.2016
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Schon allein beim Stoffverbrauch liegen Welten zwischen der Unterwäsche von heute und einst. Ganz zu schweigen von den Reizen. Aber damals war ein Unterhemd wirklich noch ein Hemd und weit mehr als das.

Es war aus Leinen und das Kleidungsstück schlechthin für Männer, Frauen und Kinder. Zugleich noch Oberhemd, ersetzte es beim Mann die Unterhose, bei der Frau den Unterrock und wurde auch noch als Nachthemd getragen. Der Schnitt war eher unisex. Für die Frau gab es als Zierde ab und zu Spitze oder Stickerei. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein blieb beispielsweise die Nachtbekleidung der Oberschicht vorbehalten.

Textilien sehr empfindlich


Das Stadtmuseum Schwandorf zeigt als Teil der Ausstellungsreihe "Tracht im Blick", was sich unter Rock und Mieder verbarg. "Textilien sind das Empfindlichste, was ein Museum in seinem Bestand haben kann", sagt Museumsleiterin Eva Maria Keil bei einem Pressegespräch. "Seide bricht zum Beispiel im Licht". Textilhistorikerin Katrin Weber, die bei der Konzeption fachlich zur Seite stand, pflichtet ihr bei und ergänzt, dass in Deutschland Textilien von der Forschung stiefmütterlich behandelt würden. Objekte für die Schau kamen deshalb unter anderem aus Regensburg, Rosenheim und Bielefeld .

Korsett und Tanzhosen


Der Blick unten drunter schweift vom Lederkorsett für Kinder um 1700 über viel Weißwäsche und Strümpfe bis hin zum Babydoll der 20er und dem roséfarbenen Straps der 50er Jahre. Die Tanzhosen der heutigen Trachtenvereine sind den Damenunterhosen von 1900 bis 1930 sehr ähnlich. Das Material ist natürlich der Zeit angepasst und der Hosengummi hat die Bändel ersetzt. "Die Trachtenvereine nehmen es schon genau", lobt Keil. Viel Wäsche lagert nicht in den Museen. Die Erklärung Keils, abgesehen von der Empfindlichkeit der historischen Textilien, leuchtet sofort ein. "Es war Gebrauchswäsche. Sie wurde getragen bis sie verschlissen war und zu guter Letzt noch als Lumpen benutzt." Regelrecht rar gemacht hat sich die Herrenwäsche. Umso größer war die Freude als das Museumsdepot in Neusath-Perschen auspackte und eine gestrickte Unterhose zutage förderte. Sie teilt sich jetzt die Vitrine mit weiteren wollenen "Liebestötern" in rosa und himmelblau.

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Weitere Informationen:

www.tracht-im-blick.de

VernissageDie Ausstellung "Unten drunter geblickt - Auf Wäsche und Strümpfe" wird heute um 19.30 Uhr im Stadtmuseum im Beisein von Oberbürgermeister Andreas Feller und Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl eröffnet. Sie ist ab morgen, 15. April, bis 11. September zu sehen. Geöffnet ist das Stadtmuseum Donnerstag von 12 bis 18 Uhr (Fe iertag 14 bis 17 Uhr), Mittwoch, Freitag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Die Ausstellung in Schwandorf gehört zur neunteiligen Reihe "Tracht im Blick - Die Oberpfalz packt aus" . Ein Begleitband dazu erscheint in Kürze. Wer alle Ausstellungen besucht und sich die entsprechenden Stempel abholt, erhält den Begleitband gratis. (eld)
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