Theatergruppe der FOS/BOS Schwandorf zeigt antike Komödie
Ins Wolkenkuckucksheim

Kultur
Schwandorf
01.05.2016
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Ideen der Antike in die Gegenwart holen: Wie das gelingen kann, bewies die Theatergruppe der FOS/BOS Schwandorf mit einem Stück von Aristophanes.

Schultheater sind immer eine gute Sache, denn dort können Heranwachsende erproben, wie sie sich in fremden Rollen zurecht finden und diese spielerisch selbst verwirklichen. Über solche "normalen" Anforderungen an Rollengestaltung hinaus war es sehr mutig von Regisseurin Cosima Wittenzellner und ihrem Ensemble, sich einer Komödie des athenischen Dichters Aristophanes (etwa 450-388 v. Chr.) anzunehmen.

Einfache Bühne


In den elf erhaltenen Komödien zeigt er Unarten seiner Landsleute spöttisch auf, so in "Die Wespen" die Prozesssucht der Athener. Genial ist die dichterische Idee in "Lysistrata": Ehefrauen sollten sich ihren Männern verweigern, solange diese den Krieg dem Frieden vorziehen. Immerhin kämpften das demokratische Athen und das autokratische Sparta 431 bis 404 im Peleponnesischen Krieg um die Vorherrschaft in Griechenland. So nimmt sich Aristophanes in seiner 414 v. Chr. uraufgeführten Komödie "Die Vögel" eines aktuellen Problems an: Gibt es zwischen Himmel (Wohnsitz der vermenschlichten, griechischen Götter) und Erde (Wohnsitz der streitsüchtigen Menschen) einen Ort der Ruhe, an dem es sich friedlich leben lässt? Pisti (Alexej Antoni) und Euli (Ariane Albrecht) sind zwei athenische Bürger, die einen solchen suchen. Sie begaben sich vor den voll besetzten Zuschauerreihen der Aula der BOS/FOS ins Reich der Vögel, um mit diesen über einen friedevollen Ort nachzudenken.

Einfache Bühnengestaltung und etwas Blumenschmuck der Darsteller reichte, um den Besuchern die Weitläufigkeit einer Phantasie-Landschaft zu vermitteln. Das hat Maskenbildnerin Stefanie Franz voll erfasst. Die Vögel, die nun die Bühne aufsuchten, zeigten sich gegenüber Menschen misstrauisch. Schließlich haben Vögel durchaus schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht. Daher rannten die Taube (Christina Hellerbrand), das Perlhuhn (Jule Sitzmann), der Auerhahn (Simon Schießl), der Eisvogel (Jillian Lütje), die Spottdrossel (Amelie Wagner) und der Pfau (Emily Lütje) erst einmal unruhig umher und äußerten sich kritisch.

Dem Marabu (Alexander Weiß), als Vogel das Sinnbild für Klugheit, gelang es dann, sie zu beruhigen. Er beriet sich mit dem anderen Chef, dem Kolibri (Andreas Pschierer). Dieser unterstützte die Idee der beiden Menschen. Ein Ort sollte also errichtet werden, in dem vollkommene Freiheit herrscht. Ironisch reflektiert der Kolibri über die Entfaltungsmöglichkeiten des eigenen Ichs in einer Kriegssituation. Jedoch fasziniert der Wunsch von Pisti und Euli (eigentlich Pisthetairos und Euelpides), ein "Wolkenkuckucksheim" zu bauen, die Vögel immer mehr. Sie zeigen ihre Freude darüber, dort womöglich in vollkommener Freiheit des Denkens und Handelns leben zu können.

Nach der Pause werden Begriffe an den Wänden befestigt: "Freiheit, Autonomie, Genuss, Demokratie, Gerechtigkeit, Gleichheit" und vor allem "Allen gehört alles" heißen die neuen Ideale. Die Vogelstadt wird errichtet, jedoch merken die dort Lebenden, dass es keine Infrastruktur gibt. Also kann dieses System nicht funktionieren. Pisti verlangt deshalb, die Vögel sollten sich rupfen und die Federn verkaufen. Nun wurde nun von den Technikern Leon Wittenzellner und Ralf Krinner ein Beamerbild auf ein großes Leintuch gesteuert.

Keine totale Freiheit


Die Götter sind sauer auf die Vögel, weil die Menschen in der Vogelstadt ihnen, den Göttern, nichts mehr opfern. Diese Nachricht übermittelten sie. Die Vögel werden schließlich gerupft. Voll Ärger reißen sie die Begriffe an der Wand herunter. Damit ist die Idee endgültig ad absurdum geführt. Das Ideal eines friedevollen Lebens ist wohl nicht zu verwirklichen ohne Regeln und Gesetze. Die vollkommene Freiheit gibt es nicht. Cosima Wittenzellner und ihre Schauspieler und Schauspielerinnen wiesen das in beeindruckender Kunstfertigkeit nach.
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