Tone Schmid zeigt "Geschlossene Gesellschaft" in der Kunsthalle Pertolzhofen
Burnout und skurrile Gäste

Künstler Tone Schmid (rechts) hat die "Kunsthalle Pertolzhofen" für eine illustre "Gesellschaft" gebucht. Kunstvereinsvorsitzender Heiko Herrmann (links) staunt über die ungewöhnlichen Kombinationen, die aus Fundstücken entstanden sind. Bild: Bugl
Kultur
Schwandorf
07.10.2016
43
0

Der grün bemalte Puppen-Torso sieht aus wie ein Alien. Oder ist es doch nur ein harmloser Frosch? Was Tone Schmid mit Spielzeug oder Schrott anstellt, fällt auf jeden Fall unter die Kategorie "Kunst". Einen Ausschnitt aus dieser Welt präsentiert er derzeit in der "Kunsthalle Pertolzhofen".

Pertolzhofen. Die "Kunsthalle" ist ein Kunst-Container direkt am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg in Pertolzhofen. Auf wenigen Quadratmetern tummelt sich hier eine "Geschlossene Gesellschaft" - so der Titel der Ausstellung.

Die"Gästeliste" hat der Künstler Tone Schmid zusammengestellt: Eine Auswahl unbewegter Objekte, die gesellschaftskritische Themen aufgreifen, von Burnout und Leistungsdruck über sexuellen Missbrauch bis hin zum unreflektierten Konsum. Da sind die roten Kinder-Boxhandschuhe, die er wie die "betenden Hände" von Albrecht Dürer arrangiert hat: eine Anklage an die Kirche und ihren Umgang mit dem Thema Missbrauch.

Gleich daneben lauert der "Time Hunter", eine Skulptur mit steinernem, vogelartigem Kopf und einem Schweinwerfer-Element als Flügel. Er ist Sinnbild der Jagd nach der Zeit. Wer ihn in Aktion erleben will, muss dazu allerdings einen Blick ins Internet werfen. Auf Youtube bewegt der "Time Hunter" ganz langsam seinen Kiefer. "Wer ihn beobachtet, dem hat er Zeit genommen, aber auch wieder geschenkt", sagt sein Schöpfer.

Plastische Objekte


Der 1957 in Falkenstein geborene und seit 1999 in Weiden lebende Künstler setzt seine Assemblagen (Collagen mit plastischen Objekten) zusammen aus Fundstücken. In der Wahl des Materials manifestiert sich auch die Haltung des Künstlers, der sich gegen eine Vergeudung von Ressourcen auflehnt und Themen anpacken will, die den Menschen unter den Nägeln brennen. "Der Angst vor der Angst ins Ruder greifen" nennt Schmid das Gebilde mit dem steinernen Schädel, der an einen Dinosaurier erinnert. Über ein Ruder könnte man ihn in Bewegung setzten und dabei "so viel Gas geben bis er nicht mehr da ist", sagt Schmid. "Vielleicht beißt er ja ein Loch in die Decke des Containers und fliegt davon" - falls er nicht Opfer eines Burnouts wird.

Bewegung und Licht


Generell haucht Tone Schmid seinen Objekten gerne Leben ein, setzt mit Bewegung und Licht noch eins drauf. Doch auch ohne diese Plus überzeugt die neue Sicht auf vermeintlich Bekanntes, das die Gesellschaft ausrangiert hat. "Wie hier aus Sperrmüll und Schrott durch Kombination eine neue Poesie entsteht, das ist es , was mich begeistert", erklärt Heiko Hermann, Vorsitzender des Pertolzhofener Kunstvereins.

Die Ausstellung "Geschlossene Gesellschaft" ist noch bis 28. Februar rund um die Uhr im Kunst-Container am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg einsehbar.

___



Weitere Informationen:

www.kunstverein-pertolzhofen.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.