"Tristan und sei Oide" im Schlosshof
Liebe ja, Liebestod nein

Anja Kolbeck als Isolde und Robert Wilhelm als feinsinniger Tristan ließen Wagner einmal ganz anders erleben: Seligkeit statt Liebestod. Bilder: tie (2)
Kultur
Schwandorf
11.07.2016
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Die fünf Wagner-Weiber (von links) Elisabeth (Elisabeth Gareis), Senta (Susanne Steinshorn), Elsa (Brigitte Hering), Brünnhilde (Manela Pürzel-Lehner) und Eva (Maria Ziegler) machten das Stück zu einem Genuss.

Muss Wagner immer mit einer Tragödie enden? Rolf Stemmle stemmt sich dagegen, und die "Theaterbühne Schwandorf" schloss sich seiner Intention mit "Tristan und sei Oide" trefflich an.

Schöner kann das Ambiente für eine Freilicht-Aufführung kaum sein als der innere Schlosshof in Fronberg. Selbst König Fußball war bei der Premiere keine Konkurrenz, der Hof war mit Gästen gut gefüllt, die den "Aufstand der Wagnerweiber" - so der Untertitel von Rolf Stemmles Stück - erwarteten. Diese fünf Frauen zeigen die Heldinnen aus bedeutenden Wagner-Opern in neuem Lichte: Manuela Pürzel-Lehner verkörperte die Brünnhilde aus dem "Ring des Nibelungen", Susanne Steinshorn die Senta aus "Der fliegende Holländer", Maria Ziegler die Eva aus "Die Meistersinger von Nürnberg ", Brigitte Hering die Elsa aus "Lohengrin" und Elisabeth Gareis die Elisabeth aus "Tannhäuser".

Jede einzelne präsentierte einen ausgeprägten Charakter, darüber hinaus waren sie als Ensemble unschlagbar. Sie bestimmten mit ihrem übertriebenen Gehabe und ihren treffenden wie lustigen Sprüchen unter dem Markenzeichen "Hojotoho" wesentlich das Verständnis der Handlung.

Grundidee ändern


Sie wollten Wagners Grundidee ändern: Statt Liebestod soll es besser Liebes-Seligkeit geben. Anja Kolbeck schaffte es als Isolde faszinierend, zwischen dem Mann mit Geld und dem Mann, den sie liebt, hin- und hergerissen zu sein. So wie sie ihre Rolle gestaltete, glaubte man ihr Schwanken zwischen Verzweiflung und Glücksempfinden. Es erklärt ihre Einstellung zum vornehmen Brauereibesitzer Marke (Hans Wilhelm), zu ihrem rabiaten Verlobten Morold (Bernd Eichinger), ihrer die Sicherheit im Leben betonenden Mutter, Frau Flins (Karin Mager), und zu dem feinsinnigen Tristan (Robert Wilhelm), der so gar nicht in das System hineinpasst, zu dem sie sich aber gerade deshalb hingezogen fühlt.

Tristan geht es ähnlich. Er zeigt sich verliebt, fühlt sich aber von Isolde zuweilen harsch behandelt. Seine Zerrissenheit zwischen Hoffnung und Depression bildet das vom Darsteller glaubhaft vermittelte Spiegelbild seines Wesens. Auch die kleineren Rollen gefielen. Erwin Zechmann prägte den Kurwenal, Irene Kaaden gab eine interessante Brangäne, Sabine Brunner verkörperte Markes Sekretär und regte mit ihm oft genug zum Schmunzeln an.

Feine Regie


Nicht von Wagner war der Maler (Michael Daube) und seine beiden Kinder (Annika Scheibl und Ivan Rtischew), die aber gekonnt verhinderten, dass Auseinandersetzungen zu ernsthaft empfunden wurden. Das gelang auch der Magd (Nina Steinshorn). Ein Kapitän (Christian Köppl) kommandierte die Holzbohlen, die von den Bühnenbauern Karl Steinhofer und Hans Wilhelm zum Schiff gedeutet waren.

Das passende Licht vermittelte Roland Meiller, für Ausstattung und Maske waren lobenswert Ingrid Wilhelm und Hannelore Kusterer zuständig. Zwischendrin spielten Kathi Hammer (Querflöte), Julia Graf (Violine/Viola) und Nadine Graf (Fagott) zum Stück passende Weisen, zu denen auf der Bühne auch gesungen wurde. Kirstin Rokita gab erneut eine feine Kostprobe ihres Könnens als Regisseurin.

Rolf Stemmles Idee, Wagner auf bairisch und endlich mal weniger ernsthaft zu präsentieren, gefiel umso mehr, je länger der Theaterabend dauerte. In welches Ende die Handlung schließlich mündete, regte nochmals zu ergiebigem Schmunzeln an und brachte dem Ensemble begeisterten Beifall des Publikums.
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