US-Amerikaner Larry Coryell hat mit den Oberpfälzern Paulo Morrelo und Sven Faller eine CD ...
Jazz-Pionier im Felsenkeller

Die amerikanische Jazz-Legende Larry Coryell (links) trat im Schwandorfer Felsenkeller zusammen mit den beiden Oberpfälzer Virtuosen Sven Faller (Mitte) und Paulo Morello (rechts) auf. Bild: Dobler
Kultur
Schwandorf
22.02.2016
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Ex-Beatle Paul McCartney wollte kürzlich eine After-Show-Party besuchen. Doch er kam nicht am Türsteher vorbei. Dieses Problem hatte Gitarrist Larry Coryell am Wochenende im Schwandorfer Felsenkeller natürlich nicht. Trotzdem ließ er sich an der Kasse grinsend einen Stempel auf die Handfläche drücken: "For free entrance!"

73 wird die Jazz-Legende in wenigen Wochen (und damit ist Coryell etwa so alt wie McCartney) und aus dem nervös-fiebrigen Musiker, der in den 1970er Jahren zu Weltruhm kam, ist zwischenzeitlich ein abgeklärter, älterer Herr mit schlohweißem Haar geworden. Ein paar Jahrzehnte früher war Coryell einer der größten Gitarristen der Welt. Im Lauf seiner Karriere hat er weit über 100 Alben aufgenommen und mit Musikern wie Miles Davis, Jimi Hendrix, Sonny Rollins und Chet Baker zusammengearbeitet. Coryell gilt als Pionier des Jazzrock, der in den 70er Jahren die Ausdrucksformen der Jazzgitarre neu definierte. Einige Zuhörer im Felsenkeller, dessen Altersschnitt meist recht hoch ist, wussten noch davon.

Profis aus der Region


Für andere hingegen waren die anderen Namen des Abends Zugpferde: Paulo Morello und Sven Faller. Extreme Virtuosen auf ihren jeweiligen Instrumenten, leben sie zwar im Landkreis Schwandorf, sind aber dauernd national und international unterwegs; so dass der Gitarrist Paulo Morrelo (45), der eigentlich Cornelius "Neli" Schmidkunz heißt und in Teublitz wohnt, vorher noch nie im Felsenkeller aufgetreten ist. Das ist zwar seltsam, aber verständlich, wenn man den prall gefüllten Auftrittskalender dieses Profimusikers liest. Coryell und Morello, der sich seinen rassigen Künstlernamen bei einem Brasilien-Aufenthalt zugelegt hat, kennen sich seit 2009 persönlich, bei der Jazz-Woche Burghausen sind sie schon zusammen aufgetreten, es gibt auch eine gemeinsame CD. Den Kontrabassisten Sven Faller (46), der zu den Spitzenleuten auf seinem Instrument zählt, würde man ebenfalls eher in Berlin oder München verorten, tatsächlich aber zog ihn die Liebe vor Jahren nach Schwandorf. Mit seinem "Trio Elf" und dem Duo "Le Bang Bang" hat er bereits zweimal seine musikalische Visitenkarte im Felsenkeller abgegeben. In seinem Studio auf dem Schwandorfer Weinberg fanden Anfang letzter Woche die letzten Proben des neuen Trios Coryell-Morello-Faller statt. Seitdem sind die drei Herren miteinander auf Tournee. Der Felsenkeller, das "Heimspiel", war bereits der dritte Auftrittsort. Hans-Werner Robold, der die Konzertstätte mit lokalen Heroen wie den "Nordgau Monophones" immer locker voll bekommt, hatte noch ein paar Stunden vor dem Auftritt Restkarten übrig. Trotzdem war die Location am Ende sehr gut gefüllt und wer dabei war, erlebte einen bemerkenswerten und dichten Abend, der viele melodische Stücke servierte - mit klarem Groove und klarer Melodie, mit einem tiefen Eintauchen in das alte Jazz-Repertoire und Kompositionsbeispielen von jedem der drei. Die Herzen der Gitarrenfans schlugen jedenfalls höher bei diesem Auftritt, wobei man sich das Zusammenspiel von Coryell und Morello nicht als "Gitarren-Battle" vorstellen darf. Atemberaubendes Virtuosentum ist eher Morellos Spezialität, Coryell zeigte sich mehr für die Gesamtmusikalität der Gruppe zuständig, dessen Repertoire einen brasilianischen Einschlag hatte.

Ein vierter Mann


Einmal, gegen Ende, wurde das Trio für einen Song zum sogar zum Quartett. Andreas Dombert (36) aus Straubing, ein Musikerfreund aus gemeinsamen "Night of Jazz Music"-Zeiten, befand sich im Publikum und wurde auf die Bühne gebeten, wo er sich eine Gitarre griff und mit den anderen den Bossa-Nova-Standard "Black Orpheus" spielte - entspannt und sehr professionell. Zum Schluss gab es begeisterten Beifall und einige, bei denen Coryells Ruhm nie vergangen ist, fachsimpelten noch über alte Aufnahmen aus jener Zeit, als der Mann aus Florida einer der jungen Götter am Gitarrenhimmel war. Noch heute ist er ein Erlebnis.
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