Verstehen wird zur Kunst

Die Amerikaner Lauren Kalman (von links), Vanessa Diaz, Laren McClung und Gregory Mentl präsentieren im Schwandorfer Künstlerhaus ihre Werke für Auge und Ohr. Bild: Kempf
Kultur
Schwandorf
18.06.2015
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Vier amerikanische Künstler gastieren im Künstlerhaus in Schwandorf. Ihr Talent ist unbestritten, jedoch hapert es am Verständnis.

Die Arbeit von vier jungen Künstlern aus den USA sollte beim Pressegespräch im Internationalen Künstlerhaus vorgestellt werden. Im Austauschprojekt mit dem Künstlerhaus "Virginia Center for the Creative Arts" (VCCA) weilen Laren McClung aus Philadelphia, Vanessa Diaz aus Südflorida, Lauren Kalman aus Detroit und Gregory Mertl aus Conneticut derzeit in Schwandorf.

Am Sonntag, 21. Juni, von 13 bis 17 Uhr präsentieren sie ihre Arbeiten bei einem neuen "Tages des offenen Studios". Die Künstler sind kreative junge Menschen, die arbeiten und sich einen Namen machen wollen. Und die Ergebnisse ihres Schaffens präsentieren wollen. Die Besucher müssen gute Sprachkenntnisse mitbringen, wollen sie den Ausführungen der Künstler folgen. Und Erklärungen sind notwendig, will man die Werkstatt-Räume nicht völlig ratlos verlassen. Es gibt kaum Exponate, die für sich sprechen, vielmehr gibt es diesmal vergleichsweise wenig zu sehen. Auch das am Sonntag ausliegende Begleitmaterial ist zum einen relativ dürftig, zum anderen nur in Englisch vorrätig.

Erklärungsbedürftig

Sicher, Englisch lernt fast jeder hierzulande. Dennoch ist es ein Unterschied, Ausführungen mit mehr oder weniger gutem Schulenglisch zu folgen, oder mit breitestem American Slang konfrontiert zu sein und von ihrer Arbeit begeisterten Künstlern zuzuhören, die ihre nicht leicht nachvollziehbare Kunst erklären. Umso sinnvoller ist es, wenn ein Pressegespräch gut vorbereitet ist. Insbesondere dann, wenn die Kunst erklärungsbedürftig, jedoch nichtsdestoweniger interessant ist. Beim "Tag des offenen Studios" gibt es nicht nur etwas zu sehen, sondern auch zu hören. Im doppelten Sinne. Während Vanessa Diaz und Lauren Kalman bildende Künstlerinnen sind und in den Bereichen Installation, Skulptur, Video, Fotografie und Performance tätig sind, ist Laren McClung Schriftstellerin und Gregory Mertl Komponist. Er stellt in Schwandorf eine Arbeit vor, die auf einem Sonett von William Shakespeare beruht.

Zudem zeigt er eine Komposition, in der das Orchester den im Fokus stehenden Pianisten nicht begleitend unterstützt, sondern vielmehr von diesem begleitet, betont wird. Der "Boston Globe" beurteilt seine Arbeit: "Mertl ist ein Talent, dem das Ohr folgen will, wohin auch immer es geht." Laren McClung lässt sich von geschichtlichen Ereignissen sowie kleinen Begebenheiten in der Vergangenheit zu ihren Gedichten und Erzählungen inspirieren.

Die Autorin Hettie Jones schreibt über sie: "Es sind komplizierte Gedichte, die mit Erinnerungen gefüllt sind. Ihre bildhaften Erzählungen sind bezwingend, ziehen den Leser in ein Netz aus persönlichen und historischen Verflechtungen." Beim "Tag des offenen Studios" lesen und spielen beide aus ihren Arbeiten.

Visuelle Eindrücke

Es gibt aber auch etwas zu sehen, seien es Videoinstallationen auf kleinen Notebooks oder in Farbe getränkte Stoffstücke, die an einer Leine hängen. Einige wenige Masken, Zeichnungen und Drucke geben einen flüchtigen Einblick in die Arbeiten von Vanessa Diaz und Laren Kalman. Letztere setzt sich in ihren Arbeiten mit visuellen Eindrücken und Vorgaben auseinander. Diaz verarbeitet moderne Architekturkritik, die Willkür von Grenzziehungen und andere Indikatoren für individuelle Lebensraum-Abgrenzung.

Die Presse-Einführung in die Arbeit der vier jungen Künstler hätte besser vorbereitet den Zugang erleichtert und wäre der Kreativität sowie dem Können der vier Amerikaner besser gerecht geworden. Sie haben es nicht verdient, in der Oberpfalz kaum verstanden zu werden.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.stadtschwandorf.de/mehr/okh.index.de.ph...
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