Vierhändiges Schubert-Konzert von Karin Schreiber und Kurt Seibert
Symphonische Klavierklänge

Karin Schreiber und Kurt Seibert brachten Schuberts frühe Werke für Klavier zu vier Händen zu Gehör. Bild: R. Tietz
Kultur
Schwandorf
31.03.2015
31
0
Wie beim ersten, steht auch beim zweiten Seminar des "Schwandorfer Klavierfrühlings" ein Werk von Franz Schubert im Fokus. Zunächst erklärt Gestalter Kurt Seibert die Umstände der Zeit, in der das "Grand Duo C-Dur op 140, D 812" entstand. Seibert weist darauf hin, dass die Seminare das Besondere am "Schwandorfer Klavierfrühling" darstellen, weil Musik nicht nur gespielt, sondern auch das Umfeld erklärt wird.

Freunde statt Fürsten

Schuberts Leben spielte sich in einer Zeit voller Umwälzungen ab: vom Aufstieg Napoleons über das Ende des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" und den "Wiener Kongress" bis zum Höhepunkt der Restauration. Schubert war ein Bürgerlicher, der im kleineren Freundeskreis musizierte und nicht an einem Fürstenhof. Es entwickelten sich Abende vollen musikalischen Gemeinschaftsgefühls, die als "Schubertiaden" schon im Namen auf ihr besonderes Genre hinwiesen. Viele der kammermusikalischen Werke Schuberts fanden in diesem Kreis ihre erste Aufführung. Sie übertrugen den Begriff der "Romantik", der in Literatur und Malerei schon gebräuchlich war, auf den musikalischen Bereich.

Die Idee der vierhändigen Klaviermusik gab es schon länger. Sie sollte Schülern Takt-Sicherheit und ein Eingehen auf den Mitspieler vermitteln und war deshalb meistens Gelegenheitskomposition. Des weiteren konnte man in der Zeit ohne Plattenspieler Symphonien reduzieren und selbst spielen - ohne zu viel Klang-Verlust.

Und schließlich ergab sich ein größeres Klangvolumen des Klaviers und damit entstanden neue Klang-Gefüge. Etliche Komponisten schufen Werke für zwei Interpreten am Klavier, keiner aber so viele und unterschiedliche wie Franz Schubert. Es gibt Leute, die sagen, seine Kompositionen für "Klavier vierhändig" seien in Bezug auf Einfallsreichtum und Gestaltung unerreicht.

Abwechselnd verwoben

Dass es sich dabei um großartige Musik handelt, zeigt das "Grand Duo für Klavier zu vier Händen C - Dur", das Karin Schreiber und Kurt Seibert den Interessierten vortragen. Mustergültig sind in diesem Werk die Motive und Themen von beiden Spielern abwechselnd gestaltet und gleichrangig ineinander verwoben. Ebenso mustergültig ordnen beide Interpreten die vier großräumigen Sätze diesen Grundsätzen zu. Und wenn man die Klang-Entfaltung hört, versteht man, dass Joseph Joachim, der große Geiger des 19. Jahrhunderts, das "Grand Duo" für Orchester gesetzt hat. Dabei klingt es in der Originalfassung schon orchestral genug.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.