Vom Kulm bis Windpaissing zum Eixlberg über Pfreimd
Domina-Traube und Heilige Barbara

Die Abendsonne färbt die Stämme der Kiefern und am Horizont reiht sich Waldbuckel an Waldbuckel. Der Blick vom Aussichtsturm auf dem Kulm bei Windpaissing ist einfach grandios. Den Schlüssel für den Turm erhält man unten im Gasthaus zum Kulm beim Meier Max.
Kultur
Schwandorf
12.08.2016
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Die Heilige Barbara als Patronin der Eixlbergkirche unter einem Baldachin am Hochaltar. Zusammen mit Katharina und Margareta gehört sie zu den "heiligen drei Madln". Bilder: Moser (4)
 
Die Steinbrüche auf dem Karberg hatten ihre "Blütezeit" in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das meiste hat sich der Wald wieder zurück erobert. Das kleine Gewässer ist ein idyllisches Überbleibsel.

Der heutige Wandervorschlag führt ins Naabgebirge. Das ist ein Teil des Oberpfälzer Waldes, der hier mit Eixlberg und Kulm bis zum Johannisberg bei Freudenberg nach Westen über die Naab ausgreift.

Von Günter Moser

Start ist um acht Uhr morgens am Gasthaus zum Kulm. Im Hüttenbachtal wabert noch der Dunst, Rottendorf ist noch verschluckt, nur die Höhen von Friedrichsberg und Steinköppl lugen als blaugrüne Waldfische aus dem Nebelmeer. Bevor wir die Waldgrenze erreichen, staunen wir erstmal über den Weinberg auf der Kulmleitn, wo seit 1999 auf 540 Meter Meereshöhe Ortega, Hecker und Domina Trauben angebaut werden.

Die Blau-Strich-Markierung führt hinauf zum 626 Meter hohen Kulm. Das kleine Gipfelkreuz ist rechts vom Weg im Wald versteckt und es wäre schön, ihm etwas mehr Platz zu geben. Der fast 15 Meter hohe Turm aus dem Jahre 1972, errichtet vom Oberpfälzer Waldverein aus Nabburg, bietet eine Rundumsicht, die an klaren Tagen bis ins Fichtelgebirge und den Bayerischen Wald reicht. Diese weiten Blicke sollte man sich nicht entgehen lassen.

Wald mit Kiefern


Kurz vor dem Turm leitet ein Schild mit der Aufschrift "Pfreimd" weiter durch lichten Wald mit Kiefern und Birken. Heidekraut ist als Unterwuchs vorhanden, reife Preiselbeeren leuchten aus dem Grün und bei den Schwarzbeeren kommt man einfach nicht vorbei, ohne eine Handvoll davon zu zupfen. Den Abstecher zum Kulmstein kann man sich sparen. Die Aussicht ist zugewachsen, Touristiker und Waldbesitzer sollten sich das mal gemeinsam anschauen.

Nach eineinhalb Kilometern verlassen wir den Wald, Nebel wabert noch überm Haferfeld und erst allmählich wird der Blick frei zum Eixlberg. Als Wanderbegleiter haben wir heute Arnold Kimmerl dabei. Er war früher Förster, kennt die Gegend wie seine Westentasche und die Wanderung gerät zu einer Botanikstunde im Freien.

Was er über Trauben- und Stieleiche, Zitterpappel, die Vorteile der Douglasie, die Wilde Möhre, die Heidenelke, den Feldthymian, den zweihäusigen Wacholder oder den Wert der Disteln für die Schmetterlinge erzählt, wir staunen, hören gerne zu. Dass die Wanderung dadurch länger dauert als geplant, nehmen wir gerne in Kauf. Der Landstrich zwischen Kulm und Eixlberg gehörte früher zu den ganz stillen Flecken in der Oberpfalz. Als im Herbst 2008 die A 6 eröffnet wurde, war's aus mit der Ruhe. Und, das muss man ehrlicherweise anmerken, der Lärm und das Klack-klack von der Kulmbachtalbrücke nerven. Das Gute: Hinter der nächsten Wegbiegung ist es wieder ruhig.

Kapelle und Klause


Der Weg führt unter der Autobahnbrücke hindurch. Etwa eineinhalb Kilometer Teersträßchen bleiben uns nun nicht erspart. In Ziegelhäuser links abbiegen in Richtung Döllnitz und bei einem Flurkreuz rechts auf einem Wiesenweg weiter über den Döllnitzbach. Danach auf einer Forststraße (immer noch Blau-Strich-Markierung) weiter bis zu der Infotafel am Wanderparkplatz. Nun im spitzen Winkel abbiegen und mit der Rotpunkt-Markierung hinauf zum Eixlberg, wo uns die Wallfahrtskirche St. Barbara, die Lorettokapelle und die Emmausklause erwarten. Bis zum Jahre 1978 verrichtete auf dem Berg ein Einsiedler den Mesnerdienst und betreute die Kirche.

Bereits im 14. Jahrhundert hatten die Landgrafen von Leuchtenberg hier eine Kapelle errichten lassen, die im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt wurde. Herzog Maximilian Philip von Bayern ließ 1700 bis 1702 den heutigen Bau errichten. Der Hochaltar beeindruckt mit seinem Aufbau, den vier gewundenen Säulen, dem Altarblatt mit dem heiligen Josef und dem Gnadenbild, einer Figur der heiligen Barbara. Zugänglich ist die Kirche nur an den Eixlbergfesten. (Wenn die Klause geöffnet ist, kann man den Schlüssel ausleihen).

Auf dem Anstiegsweg kurz zurück, dann links abbiegen und auf bequemer Forststraße mit dem Rotpunkt hinunter nach Untersteinbach. Auf der Kulmstraße kurz nach rechts und dann dem Fraunbergweg links folgen. Rechts am Bauernhof vorbei bis zum Waldrand. Hier verlassen wir die Rotpunkt-Markierung (die nach Nabburg leitet) und biegen rechts im Wald auf den Damm einer ehemaligen Feldbahn ab. Sie diente bis 1897 zum Abtransport der Granitsteine, die oben am Karberg gebrochen und großteils zum Bau der bayerischen Ostbahnen verwendet worden waren. Links vom Weg schlängelt sich in einer Senke der kleine Schwefelbach durch einen Teppich von Sauerklee.

Nun gerade aus weiter (einige gelbe Markierungspunkte leiten uns richtig), auf einem Waldweg bergan bis zu einer Forststraße. Hier lohnt ein kurzer Abstecher nach rechts zu einem aufgelassenen Steinbruch, mit einer grünen Wald-Wasser-Fels-Oase.

Zuerst steil bergan durch Wald, dann eben auf einem Feldweg nach Fraunberg. Von hier aus folgen wir fortan dem Main-Donau-Weg zunächst auf der Straße nach Ragenhof. Jetzt wird es nochmals laut! Die Autobahn queren und der Markierung nach Obersteinbach folgen. Zur Beruhigung: Nach 300 Metern, hinter der nächsten Wegbiegung herrscht wieder Ruhe.

Auf den letzten Kilometern des Weges sind wir begeistert von den Ausblicken nach Osten in den Oberpfälzer Wald, wo sich Waldrücken an Waldrücken reiht und immer wieder die Landmarke des Zwiebelturms vom Eixlberg herüber grüßt. Kurz vorm Ziel geht es noch ein kleines Stück neben der Straße. Aber das ist zu verschmerzen.



Tipps zur RouteAnfahrt

Von Amberg aus über die A 6 bis zur Ausfahrt Nabburg West, dann dem Wegweiser zum Aussichtsturm Kulm folgen, knapp 30 Kilometer.

Von Weiden zuerst die A 93 in Richtung Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald, dann Richtung Amberg bis zur Ausfahrt Nabburg West, 30 Kilometer.

Sehenswertes

In der Landgrafenstadt Pfreimd ist die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt einen Besuch wert. Der Wessobrunner Baumeister Johann Schmuzer hat hier im 17. Jahrhundert ein barockes Kleinod geschaffen, das durch seinen weißen, feingliedrigen Stuck eine Ausnahmestellung einnimmt. Sehenswert sind auch die Grabplatten der Landgrafen.

Strecke

Der Rundwanderweg ist knapp 15 Kilometer lang, großteils markiert und führt abwechslungsreich durch Wälder und Feld- und Wiesenfluren, morgens oft feucht, gutes Schuhwerk wird empfohlen.

Einkehr

Emmausklause auf dem Eixlberg, bewirtschaftet vom Oberpfälzer Waldverein aus Pfreimd, Öffnungszeiten nur an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen, www.owv-pfreimd.de

Gasthaus zum Kulm, Dienstag Ruhetag; www.gasthauskulm.de.

Nächstes Eixlbergfest am 4. September.

Karte

Der OWV-Pfreimd hat eine Wanderkarte im Maßstab 1:25000 herausgegeben. Erhältlich im Rathaus Pfreimd, der Klause auf dem Eixlberg und im Gasthaus zum Kulm.
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