Wanderweg über den Schwandorfer Wanderweg
Auf dem Dienstweg der Pfaffen

Die Kirche in Kronstetten war im 17. und 18. Jahrhundert ein bekannter Wallfahrtsort.
Kultur
Schwandorf
03.06.2016
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Am Waldrand entlang führt der Weg bergan. Das frische Grün wirkt dabei wie ein Stimmungsaufheller und Motivator. Bilder: Held (3)

Wanderer bewegen sich auf vielen Wegen, sind mal weg und auf Schmuggler-, Hirten- oder Pilgerpfaden unterwegs. In Schwandorf folgen sie den Spuren der Pfaffen. Und dieser Weg ist richtig alt.

Der Pfaffensteig verbindet seit Jahrhunderten auf kürzestem Fußweg die Stadtteile Fronberg und Kronstetten. Er ist der älteste Weg über den Hausberg, der einst Schwandorfer Berg hieß, den die Schwandorfer jetzt Wein-, die Fronberger aber Holzberg nennen. Schon in Karten von Christoph Vogel aus dem Jahr 1600 ist diese fünf Kilometer lange Verbindung von der Kirche in Kronstetten zur Fronberger Schlosskapelle eingezeichnet.

Die jeweiligen Pfarrer pendelten zwischen ihren Wirkungsstätten, der Kirche St. Johannes der Täufer und der Kapelle auf Schloss Fronberg. Von der Kirche in Kronstetten, die nach Notsicherungsmaßnahmen erst seit Weihnachten 2015 wieder zugänglich ist, führt der Pfaffensteig - nicht wundern - erst einmal mitten durch einen Bauernhof. Früher stand hier das Mesnerhaus. Vorbei an einigen Einfamilienhäusern geht der Steig entlang des Waldrandes recht zügig bergan. Die Besiedlung ist schnell abgehakt, die Natur bemächtigt sich der Sinne. Seinen Namen verdankt der Pfaffensteig vermutlich der Reformation, als Protestanten katholische Geistliche abschätzig als Pfaffen titulierten. Allerdings: Auch lutherische Priester nutzten den Pfaffensteig, denn um die Mitte des 16. Jahrhunderts war die Gegend evangelisch. Am Wegkreuz Nummer 5 ist die höchste Stelle erreicht. Eine Bank lädt zum Durchschnaufen ein. Der Ausblick ist eigentlich herrlich, eigentlich deshalb, weil Wildwuchs diesen zunehmend trübt.

Das Brevierwegerl


Der markante Granitstein an dieser Fußwegkreuzung ist neu. Bei der Erforschung des Pfaffensteiges wurden aber jahrhundertealte Spuren und Markierungen entdeckt. Der Weg taucht ein in den Wald, wird breiter und eben. Hier beginnt das sogenannte Brevierwegerl. Auf dieses Stück Erde also haben sich die Pfarrer zum Brevier lesen zurückgezogen. Ob das stimmt? Zumindest ist hier der Wanderer, wenn nicht gerade der Wind Lärm von der A 93 herüber trägt, der Welt entrückt.

Das frische Grün, unterschiedlich schattiert, schmeichelt dem Auge und eine Art Schachtelhalm am Wegrand, wo der Wald sich lichtet und der Weg bei Prissath wieder breiter wird, wirkt seidig elegant. Doch ganz soweit ist es noch nicht. Es geht erst einmal an der Nordseite bergab. Ungefähr da, wo der Jakobsweg den Pfaffensteig kreuzt, soll vor langer Zeit einem evangelischen Pfarrer im Winter ein Wolf begegnet sein, weshalb die Stelle zur Wolfsbegegnung heißt. Ob auch das stimmt?

Der Weg führt nun steiler bergab nach Prissath, jetzt heißt es aufpassen, um nicht am 13. Stein vorbeizulaufen, der sich rechts zwischen Schwarzbeersträuchern verbirgt. Gott sei Dank wirkt eine moderne Messlatte als Blickfang. Der unscheinbare, verwitterte Sandstein dürfte über 400 Jahre alt sein. Der 13. Stein ist gleichzeitig der letzte Markierungsstein, denn hier verliert sich der Originalweg. Er ist der Flurbereinigung und Baugebieten zum Opfer gefallen, obwohl sich Prissath im Kartenvergleich von 1600 und heute kaum vergrößert hat.

Doch die Route durch Prissath geradewegs an einer Kapelle zur Linde, ein Naturdenkmal, ist ebenfalls reizvoll. Vom Schloss ist weit und breit noch nichts zu sehen. Südlich am Hasenbuckel und einem Neubaugebiet vorbei, geht es auf Fronberg zu. Jetzt ist noch ein kleiner Berg - der Petrusberg - zu bewältigen, um an der gleichnamigen Kapelle wieder in die Vergangenheit einzutauchen, denn die Allee führt zum imposanten Schloss und der Schlosskapelle. Die Pfaffen von damals haben wahrscheinlich den südlichen Schlosseingang über den inzwischen aufgelassenen Schlossgraben gewählt.

Informationen zur RouteAnfahrt
Auf der A 93 die Ausfahrt Schwandorf-Mitte wählen und Richtung Schwandorf fahren. Auf der B 85 durch die Eisenbahnunterführung durch und die nächste Straße beim Gasthaus "Oichhornwirt" nach rechts abbiegen zur Kronstettener Kirche.

Die Strecke
Der Pfaffensteig ist rund fünf Kilometer lang und in gut einer Stunde zu bewältigen. Er ist ein Zielweg, lässt sich aber auch wieder bequem zum Ausgangspunkt zurücklaufen. Der Wanderweg ist schwarz auf gelb mit einer Pfarrerfigur und dem Schriftzug Pfaffensteig neu ausgeschildert.

Schloss Fronberg
Die große Anlage mit Renaissancearkaden im Innenhof ist in Privatbesitz. Schlosskapelle und Räume im Schloss sind nur bei Führungen, meist mit dem Hausherrn Hubertus von Breidbach-Bürresheim, zu besichtigen.

Einkehr
In der Fronberger Dorfmitte bietet die Brauereiwirtschaft Gelegenheit für eine Pause. Das Café Lawendls, unmittelbar neben dem Künstlerhaus II, bietet schöne Freisitze. Auf dem Weg zwischen B 85 und Kirche liegt in Kronstetten das Gasthaus "Zum Oichhornwirt". In Schwandorf selbst gibt es genug Möglichkeiten zur Einkehr.

Kartenmaterial
UK 50-20 des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation.
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