Waschmaschine trifft Venus und Maibaum

Margot Sokolowska (von links) und Noémie Keren, zwei Austausch-Künstlerinnen aus Frankreich, sind derzeit zu Gast im Oberpfälzer Künstlerhaus. Sie sprachen über ihre Arbeiten mit Künstlerhaus-Leiterin Andrea Lamest, Dolmetscherin Sabine Läufer und Clemens Maier vom Förderverein. Bild: Götz
Kultur
Schwandorf
21.05.2015
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Der Besuch internationaler Künstler hat in der Schwandorfer Kebbel-Villa eine lange Tradition. Noémie Keren aus Frankreich und Margot Sokolowska aus Polen sind noch bis 29. Mai im Künstlerhaus zu Gast.

Die bildenden Künstlerinnen schöpfen aus den Eindrücken, die ihnen der Ort, die Umgebung, Menschen und Landschaft vermitteln. Die reflektierten Eindrücke verarbeiten sie zu Kunstwerken, die einerseits einen Bezug zum Ort, an dem sie sich aufhalten, zeigen. Andererseits lassen die Werke eine Abstraktion zu, führen über die Region hinaus, werden zu universellen Kunst-Monumenten.

Die Künstlerinnen leben in Bordeaux und arbeiten in der Künstlerkolonie Pujols. Die 23-jährige Keren schloss ihr Studium an der Kunsthochschule Bordeaux im Juni 2014 ab, ihre Arbeiten zeigte sie bereits in einigen Präsentationen. Sie versucht, die moderne Welt mit ihren technischen Möglichkeiten und ihrer Fragwürdigkeit mit der Historie und der Mythologie zu verbinden.

Sie will Denkanstöße geben, in Frage stellen, anregen, zu neuen Ideen aufrufen. Ihre Suche nach Themen und alternativen Denkansätzen ist vielfältig, sie verknüpft Kunstgeschichte, Mythologie, New-Age-Befindlichkeiten, Sprache, Philosophie und Pataphysik.

Neue Blickwinkel

In Schwandorf erarbeitet Keren die Moderne, das Alltagsleben - repräsentiert durch eine Waschmaschine. Diese verknüpft sie mit der Mythologie, die sie durch die Figur der Venus zu symbolisieren versucht. Mit ihren Installationen will sie neue Blickwinkel auf die moderne Welt entwickeln. So schuf sie in der Werkstatt des Künstlerhauses eine Venus, die sie mit Waschpulver auf den Betonboden streute. Bereits vorher schüttete sie Kreise aus Waschpulver auf die Straße. Ihr Ziel ist, auf die Gegensätzlichkeit in den modernen Möglichkeiten aufmerksam zu machen.

Die Menschen sollen über das Widerstrebende in der Reinigung nachdenken. Sie will der Natur wie auch der Technik "mit allen Sinnen begegnen". "Ich will eine Symbiose der Dinge der Natur mit den Dingen des täglichen Lebens schaffen. Meine Installationen sollen die Sinne anregen. Ich will die Technikwelt mit der Naturwelt konfrontieren."

Die 40-jährige Margot Sokolowska stammt aus Lodz, lebt seit zehn Jahren in Bordeaux. Einige ihrer Vorfahren waren auch künstlerisch tätig, sie lebt das familiäre Erbe weiter. Geprägt ist sie von ihrer Heimatstadt, die sich unter polnischen, russischen, jüdischen und deutschen Kultureinflüssen entwickelte. Sie studierte Kunst mit den Schwerpunkten Malerei und künstlerische Fotografie an der Kunstakademie Lodz. "Stark beeinflusst und geprägt sind meine Arbeiten, mein Arbeitsstil vom Bauhaus", erzählt sie.

Ihre Arbeit in Schwandorf zeigt ihr Eintauchen in den Ort, an dem sie sich aufhält: "Der Geist des Ortes ist mir wichtig, er findet direkte Ausprägung in meinen Arbeiten."

Maibaum wird "My-Baum"

In der Kreisstadt fiel ihr der Maibaum auf. Sie recherchierte über diese Tradition und fand Maibäume auch in Frankreich und Polen. In vielfältiger Weise adaptiert sie ihn, deutet seine Symbole, reduziert ihn bei ihrer Arbeit auf wenige Formen, um seinen Kern zu ergründen und reproduziert ihn mit unterschiedlichen Techniken.

Ob als Installation mit farbig bemalten Autoreifen und einer Leuchtröhre, als Zeichnung, Malerei oder Monotypie, immer ist der Maibaum, der bei ihr im Titel zum "My-Baum" wird, erkennbar. "Mein Ziel ist es, den Blick für das Wesentliche zu schärfen."

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Das Internationale Künstlerhaus II in Schwandorf, Maximilianstraße 10, veranstaltet einen "Tag des offenen Studios" am Sonntag, 24. Mai, von 11 bis 17 Uhr
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