21-Jähriger legt Brand in leerstehendem Wohnhaus - Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt ...
Mit Zündhölzern auf nächtlicher "Geisterjagd"

Lokales
Schwandorf
24.07.2015
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Mehrere Liter Bier und Psychopharmaka umnebelten seine Sinne, als er nachts zur "Geisterjagd" in Burglengenfeld aufbrach. Der damals 21-Jährige machte mit seinem Handy Videos in einem leerstehenden Wohnhaus, kehrte zurück und fackelte das Gebäude ab. Jetzt musste sich das Schwandorfer Schöffengericht um den Fall kümmern.

Der Mann aus Nürnberg kam nicht von ungefähr nach Burglengenfeld. Wegen diverser Auffälligkeiten nahm ihn ein heilpädagogisches Zentrum auf. Doch das ging nicht gut. Deswegen mietete er sich eine Wohnung und konnte von dort aus auf ein unbewohntes Gebäude blicken, das ihn in seinen Bann zog. Er mochte Horrorfilme und war fasziniert von Geistern, die in dem Haus womöglich ihr Unwesen trieben. Was dann passierte, beschäftigte nun fünf Stunden lang die Schwandorfer Justiz.

Magisch angezogen

Der heute 23-Jährige, längst wieder in Franken lebend, fühlte sich offenbar wie magisch angezogen von dem seit längerer Zeit leerstehenden Haus gleich neben dem Friedhof. Er lud Freunde ein, mit ihm in dem älteren Gemäuer auf "Geistersuche" zu gehen. Doch die lehnten mit dem Bemerken ab: "So ein Schmarrn."

Deshalb brach er allein auf. "Ich hab' ein Fenster aufgedrückt", schilderte der 23-Jährige jetzt dem Richter Ewald Ebensperger. Dann drang er vor und filmte seinen Gang durch die Dunkelheit mit dem Handy. Eine Nacht später kam er wieder. Im Obergeschoss zündete der Mann mit Streichhölzern einen Teppich an. Als Flammen züngelten, startete er nach eigenem Bekunden einen Löschversuch. Dazu griff der Brandstifter zu einer Dose, die er gefunden haben will. "Ich dachte, es wäre Wasser", hörte das Gericht. Doch es war brennbare Flüssigkeit, die dafür sorgte, dass das Feuer explosionsartig um sich griff. Hatte er sie mitgebracht? Das ließ sich nicht klären. Beim Abgang zog der "Geisterjäger" sein Handy erneut und hielt auf Video fest, wie der Dachstuhl loderte. Dann rannte er in seine Wohnung und offenbarte dort schlafenden Freunden: "Es brennt, es brennt!" Er selbst will die Feuerwehr alarmiert haben. Das tat aber auch ein Nachbar. Wenige Stunden später, nachdem er sich den Freunden als Brandstifter offenbart hatte, kam der Mann in Begleitung seiner aus Nürnberg herbeigeeilten Mutter zur Burglengenfelder Polizei und stellte sich. Danach brachte man ihn ins Bezirkskrankenhaus.

Ziemlich angetrunken

Das Gebäude war nach dem Großfeuer abbruchreif. Erst ging man von 100 000 Euro Schaden aus, später halbierte sich die Summe. Beim Prozess, der fast genau zwei Jahre nach der Brandstiftung stattfand, verdeutlichte sich jetzt: Der junge Mann war zur Tatzeit erheblich angetrunken. Er hatte auch die ärztlich verordneten Psychopharmaka eingenommen, die bei ihm nach eigenem Bekunden "Abenteuerlust" auslösen. Die Wirkung von Alkohol und Tabletten in Einklang bringend, sprach die psychiatrische Sachverständige Dr. Sabine Marschall von einer erheblichen Einschränkung der Steuerungsfähigkeit. Für eine Einweisung in die Forensik sah sie aber trotz vorhandener Persönlichkeitsstörung noch keinen akuten Anlass. Gleichwohl aber für eine längere Überwachung des weiteren Lebensweges.

22 Monate Haft mit Bewährung verlangte Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch für den "Geisterjäger." 18 Monate hielt der Nürnberger Anwalt Harald Bleicher, der auch als Betreuer des 23-Jährigen im Gerichtssaal anwesend war, für ausreichend. Bleicher hatte im Prozessverlauf zu verstehen gegeben, dass sich sein Mandant seit längerem in einer therapeutischen Maßnahme befindet, die das Ziel hat, ihn in alltägliche Vorgänge zu integrieren. Das Schöffengericht verhängte 22 Monate Haft zur Bewährung. "Wenn noch einmal etwas passiert, müssen Sie mit der dauerhaften Unterbringung rechnen", sagte Richter Ebensperger. Er tat das auch mit dem Blick auf sechs Vorstrafen.
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