38-Jähriger fährt hartnäckig ohne Lizenz - Letzte Chance
Nichts gelernt aus dem "Lernführerschein"

Lokales
Schwandorf
22.07.2015
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Was ist ein englischer Lernführerschein? Bei der deutschen Justiz weiß man das zwar nicht genau. Aber fest steht, dass ein solches Papier hierzulande absolut keine Gültigkeit besitzt. Deshalb darf man sich mit einer solchen Lizenz auch keineswegs ans Steuer setzen, wie es ein Bulgare mit hartnäckiger Gelassenheit tut.

Der "Sprinter" kam heuer im Januar flott auf der Autobahn bei Nabburg daher. Bundespolizisten stoppten ihn und stellten fest: In dem Lieferwagen saßen mehrere sturzbetrunkene Männer, die so recht nicht mehr mitbekamen, was gerade passierte. Nur der Fahrer war nüchtern. Wohl deshalb, wie er nun der Schwandorfer Amtsrichterin Petra Froschauer per Dolmetscherin verdeutlichte, weil er als Einziger einen "Führerschein" besaß.

Mehrfach erwischt

Das merkwürdige Dokument stammte aus Großbritannien. Ein sogenannter Lernführerschein, den man dort offenbar käuflich erwerben kann. "In Deutschland nicht gültig", machten die Bundespolizisten dem 38-Jährigen deutlich und schritten zur näheren Personenüberprüfung. Dabei stellte sich heraus: Seinen Lernführerschein hatte der Vater einer Großfamilie wiederholt vorgezeigt, als man ihn am Steuer von Kraftfahrzeugen stoppte.

Die notorische Ignoranz war geahndet worden. Mit Geldbußen und zuletzt mit einer Haftstrafe zur Bewährung. "Sie wussten doch, dass dieses Dokument bei uns nicht gilt", hielt die Richterin dem Bulgaren vor. Eine schlüssige Antwort blieb aus. Es kam nur ein eher verlegenes Achselzucken. Einen in Deutschland zugelassenen Führerschein hatte der Mann vom Balkan nie besessen.

Nicht noch einmal

Dem 38-Jährigen drohte jetzt ein Aufenthalt hinter Gittern. Doch unbedingt einsperren wollte ihn Staatsanwalt Jan Prokoph nicht. Er beantragte drei Monate mit Bewährung und empfahl der Richterin, eine Buße von 120 gemeinnützigen Arbeitsstunden zu verhängen. Petra Froschauer schloss sich dem Anklagevertreter im Hinblick auf die dreimonatige Bewährungsstrafe an. Allerdings schrieb sie 150 Arbeitsstunden ins Urteil. Dazu muss sich der arbeitslose Mann nun bei einer Stadt im östlichen Landkreis, in der er zusammen mit seiner Lebensgefährtin und den Kindern lebt, melden.

Fest steht: Wenn sich der 38-Jährige erneut mit dem englischen Lernführerschein ans Lenkrad setzt und erwischt wird, wandert er für längere Zeit hinter Gitter. Eine Fahrerlizenz in Deutschland darf er für die nächsten eineinhalb Jahre nicht erwerben. Auch das kam mit ins Urteil.
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