Abschied von den Plagegeistern

Obst zieht die Wespen besonders stark an. Beim Biss in den Apfel ist im Freien Vorsicht geboten. Bild: Popp
Lokales
Schwandorf
10.09.2015
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Kaum steht der Kuchen auf dem Tisch, sind sie da. Süßes schmeckt den schwarz-gelben Insekten besonders gut, aber sie machen auch vor Getränken und Gegrilltem keinen Halt. So extrem wie in diesem Jahr sei es noch nie gewesen, so die gängige Meinung. Doch der Sommer verabschiedet sich langsam - und damit auch die Wespen.

(mhö) "Heuer haben wir viel behandelt, jedoch war nichts wirklich Schlimmes dabei - Gott sei Dank!", erzählt Andreas Kramer von der Johanniter-Unfall-Hilfe. Die Sanitätsdienste sind meist die ersten, die bei Wespenstichen kontaktiert werden. Trotz der Massen an Tieren liege die Zahl der Vorfälle jedoch - wie die Jahre zuvor - im üblichen Bereich. Das bestätigt auch Joachim Seeliger vom Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes: "Einsätze aufgrund von Wespenstichen kamen bei uns zwar auch regelmäßig vor, jedoch nicht in auffällig hoher Zahl."

Auch Norbert Wurmstein ist froh, dass es bei ihm im Freibad Perschen keine Wespen-Notfälle gab. "Im Bad ist eigentlich nur der Müll problematisch", denn Ketchup-Reste oder Ähnliches seien wahre Magneten für die gelb-schwarzen Insekten. Da aber sowieso verstärkt darauf geachtet werde, die Mülleimer regelmäßig zu leeren, war das Freibad kein Wespen-Paradies, so der Bademeister.

Das sind erfreuliche Nachrichten, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass es dieses Jahr nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich wesentlich mehr Bienen, Wespen und Hornissen gab als sonst. Naturschützer Arnold Kimmerl zeigt die Hintergründe auf: "Das ganze Jahr war bisher verhältnismäßig mild und warm, solche Wetterverhältnisse begünstigen die Vermehrung dieser Insekten enorm."

Hochsaison geht zu Ende

Der Zyklus der Wespen beginnt im Frühjahr, der milde Winter habe dafür gesorgt, dass relativ viele Weibchen überlebt haben. Im Mai haben die Königinnen angefangen, ihre Nester zu bauen, ihren Nachwuchs ziehen sie zunächst allein groß. "Die Leute merken erst ab Juni und Juli, dass die Wespen kommen", meint der Fachmann aus Pfreimd. Das warme Frühjahr und der heiße Sommer haben dazu beigetragen, dass sich die Insekten so stark vermehrt haben.

Doch langsam neigt sich die Wespen-Hochsaison dem Ende zu. "Ab September schlüpfen die Geschlechtstiere, die Männchen begatten die Weibchen", erklärt Kimmerl. "Ende September, Anfang Oktober stirbt das Nest dann ab." Nur die begatteten Jungköniginnen werden die kommenden Monate überleben und überwintern, bevor der Prozess im Frühjahr wieder von Neuem losgeht. Neben den Wespen verfahren weitere Wildbienen-Arten wie Hornisse und Hummel ebenfalls so. Bei anderen Hautflüglern wie den Bienen und Ameisen überwintert jedoch das ganze Volk.

Obwohl die Wespen ihre Plätze an Kaffeetafeln und Picknickdecken langsam verlassen, betont Kimmerl, was wichtig ist, sollte man doch noch einmal gestochen werden. "Eine Schwellung ist eine normale körperliche Reaktion und nicht sofort ein Anzeichen für eine Allergie." Behandelt werden könne ein Stich am besten mit Zwiebelsaft oder Fenistil und Gels mit Aloe. Von sämtlichen anderen mehr oder weniger abstrusen Tipps rät der Experte ab. Stärkere Schmerzen, Kreislaufprobleme und Atemnot seien jedoch deutliche allergische Reaktionen, die sofort ärztlich behandelt werden sollten. Im Übrigen seien Stiche von Hornissen auch nicht schlimmer, klärt Kimmerl auf. "Das Gift von Wespen oder Hornissen ist für den Menschen nur tödlich, wenn er von 500 bis 600 Tieren auf einmal gestochen wird." Dieses Wissen hilft, die letzten Tage mit den schwarz-gelben Insekten - hoffentlich - gut zu überstehen und ab dem nächsten Frühjahr schon von vornherein gewappnet zu sein.
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