"Alerte!" und heulende Sirenen

Sarah Brock vor dem Eiffelturm. Die Schwandorfer Studentin erlebte Paris unmittelbar nach den Anschlägen. Bild: hfz
Lokales
Schwandorf
15.01.2015
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Der Ausflug nach Paris sollte unbeschwert werden. Das hatte sich Sarah Brock so vorgestellt - doch die Schwandorferin kam in der französischen Metropole ausgerechnet am Tag der Anschläge auf das Satireblatt "Charlie Hebdo" an. Die Stimmung in der Stadt beschreibt sie als "surreal".

Gerade absolviert die 23-jährige Schwandorferin Sarah Brock ein Auslandssemester in Bordeaux in Südfrankreich. Normalerweise studiert Sarah Brock an der Technischen Universität München Wirtschaftsinformatik auf Master. Da die Klausuren in Bordeaux schon vorbei sind, wollte sie mit einer Freundin Paris besichtigen, erzählt sie im Gespräch über "Skype".

Von den Anschlägen auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" haben die beiden erst bei ihrer Ankunft am Mittwochnachmittag im Hotel erfahren. Dort wurde auf einer Leinwand eine Nachrichtensendung gezeigt. "Da haben wir beschlossen, dass wir zum Place de la République gehen", erzählt Sarah Brock.

Erste Mahnwache

Auf diesem Platz fand die erste Mahnwache statt. "Je suis Charlie. On n'a pas peur" riefen die Sprechchöre (Ich bin Charlie. Wir haben keine Angst.) und hielten Transparente hoch. Den ersten Abend in Paris beschreibt Sarah als "surreal" und fügt hinzu: "Ich hatte keine Angst". Man habe gewusst, dass die Täter die Stadt verlassen hatten. "Erschreckend war, dass die Tat zunächst als so gut organisiert erschien", erzählt die Schwandorferin.

In den folgenden Tagen war immer mehr Polizei und Armee in den Straßen unterwegs. Schilder mit der Aufschrift "Alerte! Attentat!" (Achtung! Attentat!) wiesen überall auf die Gefahr hin. "Die Ereignisse haben unsere Pläne schon durcheinander gebracht", sagt die Schwandorferin, "aber wir kamen trotzdem dorthin, wohin wir hin wollten."

"Nicht weit vom Zentrum"

Beängstigend empfanden die Studentinnen das Geschehen am Freitag: Unterwegs erhielt Sarah Brock die Nachricht über die Geiselnahme in einem koscheren Supermarkt. "Das war nicht weit vom Zentrum weg", berichtet sie. An diesem Tag hörten die beiden ständig Sirenen aufheulen, Polizeiautos rasten hintereinander an ihnen vorbei - mehrmals am Tag, überall in der Stadt. "Wir waren froh, als wir wieder im Hostel waren", so Sarah Brock.

Am Sonntag haben die Studentinnen am Trauermarsch vom Place de la République zum Place de la Nation teilgenommen. Allein eineinhalb Stunden haben die jungen Frauen gebraucht, um auf den Place de la République zu gelangen, weil so viele Franzosen die gleiche Richtung einschlugen. "Sobald man auf dem Platz war, ging es dann vorwärts", sagt Sarah Brock. Sprechchöre, Fahnen, Schilder, Transparente und natürlich die Marseillaise haben das Defilee begleitet. "Das war überwältigend", beschreibt Sarah Brock die Stimmung, "unglaublich, wie viele Leute da waren."
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