Als Garnierung zum Zukunftspreis: Professor Dr. Christoph Moss sagt, was ihm an der ...
Amüsanter Angriff auf Killervokabeln

Knöpfte sich Stilblüten und Kurioses aus der Wirtschaftssprache vor: Professor Dr. Christoph Moss (47), Dekan an der Unternehmer-Hochschule in Iserlohn. Bild: Götz
Lokales
Schwandorf
28.11.2014
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"Es ist unglaublich, wie manche Leute miteinander reden!" Professor Dr. Christoph Moss beschleicht das Gefühl, dass es Menschen gibt, die mit ihrer Sprache mehr imponieren als informieren wollen. Es erschreckt ihn, dass viele von ihnen ausgerechnet in der Werbebranche zuhause sind. Und da sei es ja geradezu fatal, wenn viel Geld eingesetzt wird und die Angesprochenen nichts verstehen.

Der Dekan für Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Hochschule in Iserlohn ist vom Verein "Partner für den Landkreis" verpflichtet worden, um das Impulsreferat bei der Zukunftspreisverleihung (wir berichteten) zu halten. Vor zahlreichen Firmenvertretern aus dem Kreis nimmt er "Stilblüten und Kurioses aus der Wirtschaftssprache" unter die Lupe. Unterhaltsam und doch zum Nachdenken anregend zeigt er anhand von Beispielen, was im Marketing schief läuft. Als haarsträubend wertet er es, wenn Umfragen ergeben, dass nur zehn Prozent der Konsumenten den exakten Sinn von Slogans erfassen.

Dabei gehe es doch so einfach: "Wer sauber spricht, wird als kompetent wahrgenommen". Moss rät dazu, sich nicht verquast ausdrücken, die freundliche Aktiv-Form zu wählen, auf unpersönliches Passiv zu verzichten, den Abkürzungsfimmel zu bekämpfen und der Muttersprache treu zu bleiben. Er belegt mit Studienergebnissen: Auf gut Deutsch formulierte Werbung bleibe über die Jahre am besten in den Gedächtnissen hängen. Modeformeln wie beispielsweise "to go" seien völlig erlässlich. "Warum sagt man da nicht einfach 'zum Mitnehmen'?", kann er nur den Kopf schütteln. Er meint: "Das ist der untaugliche Versuch, London oder New York zu sich nach Hause zu holen".

Ferner gelte es, im Umgang mit Wortkompositionen aufzupassen. Zur Verdeutlichung bringt er zwei Beispiele: Der "Quantensprung" werde immer wieder bemüht, um etwas Herausragendes darzustellen - dabei stehe der Ausdruck im wahrsten Sinne des Wortes für den "winzigst möglichen Fortschritt". Oder der Begriff "zeitnah": Ihn bezeichnet er als "Killervokabel schlechthin", denn er stelle nichts anderes da als eine unkonkrete Worthülse.

Der frühere Journalist und jetzige Geschäftsführer eines Media-Instituts plädiert dafür, im Umgang mit Kunden und Personal gleichermaßen sorgfältig vorzugehen. Er empfindet es als deplatziert, wenn Briefe oder Nachrichten mit "MfG" und/oder Initialen enden. "Wer sich nicht die Mühe machen will, 'Mit freundlichen Grüßen' und seinen eigenen Namen auszuschreiben, der soll es doch gleich bleiben lassen", gibt Dr. Moss zu verstehen, dass er auf solche Mails gar nicht mehr antworte.

Der aus Dortmund stammende Professor schafft es, sein Auditorium mit wohl gesetzten Worten zu beeindrucken. Dafür dankt ihm am Ende der Geschäftsführer des Partnervereins, Christian Meyer, und überreicht dem bekennenden BVB-Fan - auch zum kleinen Trost für die Champions-League-Niederlage der Dortmunder Borussen am Tag davor - Bier aus Bayern. Auch da weiß Moss, was er zu sagen hat: "Es war schon immer mein persönlicher Albtraum, dass ich mal nach Bayern komme und hier Mitleid ernte".
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