Am Haken der Betrügerbande

Lokales
Schwandorf
09.11.2015
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Er suchte dringend Arbeit und ging einer international operierenden Betrügerbande auf den Leim. Was die offenbar von Frankreich aus arbeitenden Kriminellen in Szene setzten, war professionell gemacht und darauf zugeschnitten, willfährige Opfer zur Geldwäsche zu finden.

Das Ehepaar aus dem Kreis Schwandorf ist finanziell nicht auf Rosen gebettet.Da glich es einem Geschenk des Himmels, was der Mann (66) im Internet entdeckte und seiner Frau (47) erfreut mitteilte. Via Computer suchte eine "Asphalt Group OHG", angeblich in Frankreich hart an der Grenze zu Deutschland ansässig, nach Angestellten. Was die Firma avisierte, war verlockend: Eher leichte Tätigkeit, gut bezahlt.

Der 66-Jährige reagierte, es gab Kontakte und nicht lange darauf einen Arbeitsvertrag. Was darin als seine Aufgabe beschrieben wurde, hätte den Mann stutzig machen müssen. Er sollte für die "Asphalt Group" in seiner näheren Umgebung Verkehrsschilder und Straßenschäden fotografieren. Ein merkwürdiger Auftrag, für den es pro Stunde 20 Euro samt Weihnachtsgeld und 30 Tage Jahresurlaub geben sollte.

Per Blitzüberweisung

Als man ihn an der Angel hatte und er den von einem "Dr. Professor Karl von Schöning" ins Netz gestellten Vertrag unterschrieb, folgte der nächste Hammer. Die "Asphalt Group" stellte ihrem neuen Mitarbeiter, der am Haken einer kriminellen Vereinigung zappelte, für seine fotografischen Erkundungstouren eine Kamera "als Hilfsmittel" in Aussicht. Man werde ihm, so erfuhr der Mann, 4010 Euro für das Gehäuse des Apparats überweisen. Bedingung: "Sofort an die Lieferfirma per Blitzüberweisung weiterleiten." Jetzt kam die Ehefrau des Arbeitssuchenden ins Spiel. Sie, die nun wegen leichtfertiger Geldwäsche vor dem Schwandorfer Amtsgericht saß, hatte allein Zugriff auf das gemeinsame eheliche Konto.

Also fuhr die 47-Jährige mit ihrem Mann zur Bank, hob den eingegangenen Betrag ab, steuerte ein Blitzüberweisungs-Institut in Regensburg an und zahlte die 4010 Euro an einen in Paris wohnenden Mann ein. Der holte das Geld zwei Stunden später ab. Nach einer Woche wurde die "Asphalt Group" erneut tätig. Nun kämen noch knappe 2900 Euro für das in der ersten Bestellung nicht enthaltene Objektiv. Wieder das gleiche Spiel: Geldabhebung, Blitzüberweisung nach Paris, diesmal an einen anderen Empfänger. Zwei Stunden darauf war auch diese Summe in die Tasche der Betrüger gewandert.

"Kamera und Objektiv sind nie gekommen", erzählte nun der 66-Jährige als Zeuge dem Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger. Ab dann war das Ehepaar bei der "Asphalt Group" quasi abgemeldet. Beide hatten sich als willfährige Opfer ausnutzen lassen. Es gab noch viele andere, die sich ködern ließen. Woher stammte das Geld? Es war von den Drahtziehern erfolgreich und ohne dass es die Geschädigten zunächst merkten von den Konten einer Firma in Norddeutschland und eines Berliner Ehepaares abgehoben worden. Der Trick dabei: Ihnen war auf ihrer Online-Banking-Seite im Internet vorgegaukelt worden, es habe eine Fehlbuchung gegeben und sie müssten nun einen Button zur Zurücküberweisung drücken. Das machten sie. Und schon landeten die Summen bei dem Paar im Kreis Schwandorf.

Freispruch

Gegen den 66-Jährigen hatte die Staatsanwaltschaft im Vorfeld das Verfahren eingestellt. Dann erhielt seine Ehefrau einen Strafbefehl, legte Einspruch ein und verließ nun mit einem Freispruch den Sitzungssaal. Erst ganz zum Schluss merkten Richter Ebensperger und Staatsanwalt Stefan Schneider, dass es eine aktuelle Entscheidung des Bundesgerichtshofs gab. Ihr ließ sich entnehmen, dass die Leichtfertigkeit bei einer Geldwäsche zwingend damit einher gehen muss, dass die zur Tat animierten Opfer ein gewerbsmäßiges Vorgehen ihrer Auftraggeber zu erkennen haben. Und das, unterstrich der Vorsitzende, sei hier niemals der Fall gewesen. Kam hinzu: "Die Frau wollte eigentlich nur ihrem Partner helfen, einen neuen Job zu finden." (Hintergrund)
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