Am Haken der Nigeria Connection

Lokales
Schwandorf
10.01.2015
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Die verheiratete Frau suchte Männerbekanntschaften im Internet. Dabei geriet sie an die hoch kriminelle "Nigeria Connection" und ließ sich zur Geldwäsche vor deren Karren spannen. Jetzt muss die 40-Jährige für 14 Monate hinter Gitter. Kann aber gut sein, dass daraus eine noch viel längere Zeit wird.

Der Mann nannte sich "Tom Burford", und er schickte gleich auch ein Foto von sich. Das deutete auf einen gut aussehenden Amerikaner hin, der übers Internet seiner neuen Bekannten aus dem südlichen Kreis Schwandorf wissen ließ: "Bin Soldat und momentan im Irak-Krieg." Die 40-Jährige, auf Männerkontakte aus, erfuhr weiter sinngemäß, dass der angebliche Armeeangehörige bettelarm sei und eine Tochter habe, die in Dubai bei einem Betreuer lebe. Sie habe Hunger, brauche etwas zu essen. "Da hätten Sie doch bereits stutzig werden müssen", wunderte sich jetzt die Amtsrichterin Petra Froschauer und fügte hinzu: "Eine Story wie vom grünen Pferd."

Im Netz der Geldwäscher

Der vermeintliche Teilnehmer an einem Krieg, den es zu dieser Zeit gar nicht mehr gab, kam dann bald zur Sache. Er wollte Geld geliehen haben. "Ich besitze nichts", wurde ihm mitgeteilt. Gleich danach gelangte eine ganz andere Masche ins Spiel. Denn plötzlich wurde die Frau von ihrem Freund "Tom Burford" gefragt, ob sie denn Geld weiterleiten könne, das er ihr durch Bekannte überweisen lasse. Das wollte sie gerne tun. Denn längst hatte sie "Tom" in ihr Herz geschlossen.

Und dann ging's los. Im Februar letzten Jahres trafen plötzlich 8700 Euro von einem gewissen "Mohammed Zayed" aus Mailand auf dem Konto der 40-Jährigen ein. Gleichzeitig erfuhr sie, an wen diese Summe weiterzuleiten sei. "Haben Sie alles überwiesen?", fragte die Richterin.

Erst wurde ihr mit "Ja" geantwortet. Doch später kam ans Licht: Rund 1700 Euro nahm die 40-Jährige für sich. "Ich habe mir etwas gegönnt", gestand sie.

Im März kamen 7500 Euro aus Bordeaux in Frankreich. Über die Einrichtung "Money Gram"-Geldtransfer wurde auch dieser Betrag von der 40-Jährigen an mehrere bis heute unbekannt gebliebene Empfänger weitergeleitet. Diesmal offenbar ohne Eigenprofit. Erneut versickerte der vierstellige Betrag, "gewaschen" in dunklen Kanälen.

Noch nicht alles

Zu dieser Zeit schaltete sich die Kripo Amberg ein. Sie hatte von einer Schwandorfer Bank, bei der die Frau ein Konto besaß, den Hinweis auf mögliche Geldwäsche erhalten. Die Nachforschungen ergaben: Die beiden Summen waren illegal und zunächst unbemerkt bei Firmen in Mailand und Bordeaux über Internet abgehoben und sofort an die 40-Jährige überwiesen worden. Von wem? Nicht von "Tom Burford". Die Fahnder brachten heraus: Die illegalen Transaktionen hatten in Afrika ihren Ursprung, sie wurden von der hoch kriminellen und weltweit operierenden "Nigeria Connection" veranlasst. Mit ihren unsauberen Machenschaften verdient die Bande Millionen.

Obwohl bisher nie vorbestraft, muss die 40-Jährige nun 14 Monate hinter Gitter. Zu diesem Urteil kam die Richterin, nachdem Staatsanwältin Daniela Spieß zuvor 18 Monate beantragt hatte. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass die Frau ungeachtet konkreter Ermittlungen offenbar ungeniert weiter Geldwäsche betrieb. Neue Verfahren in gleicher Sache laufen deshalb. (Hintergrund)
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