Angriff mit Tonscherbe beschäftigt das Strafgericht
Warum so aggressiv?

Lokales
Schwandorf
04.02.2015
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Weshalb ein 26-Jähriger innerhalb kurzer Zeit mehrere der Aggression geschuldete Straftaten beging, obwohl er zuvor nie auffällig geworden war, will das Schwandorfer Amtsgericht jetzt durch eine fachärztliche Untersuchung klären lassen. Deshalb wurde ein Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung ohne Urteil abgebrochen.

Der Mann will unschuldiges Opfer gewesen sein, als es im Juli letzten Jahres neben der Hauptstraße in Neunburg vorm Wald zu einer Schlägerei kam. Die Auseinandersetzung, stattgefunden am späten Abend, sorgte für eine Menschenansammlung und für den Einsatz von Rettungswagen und Polizei.

Dolmetscher nötig

Aus welchen Gründen gerieten ein aus Russland stammender 26-Jähriger und ein 30 Jahre alter Rumäne aneinander? Der Jüngere von beiden will auf seinem nächtlichen Heimweg an einem parkenden Klein-Lkw vorbeigekommen sein, in dem mehrere Männer saßen. Der Fahrer, so hörte die Richterin Petra Froschauer vom Angeklagten, sei dann plötzlich ausgestiegen und habe ihn geschlagen - ohne erkennbaren Anlass. Einen vorausgegangen Hieb gegen den Klein-Lkw bestritt der Mann, den ihm von Staatsanwalt Daniel Gold angelasteten Angriff mit einer Tonscherbe ebenfalls.

Die wegen diverser Sprachschwierigkeiten sehr schwierigen Ermittlungen der Behörden brachten ein anderes Bild vom Tatverlauf. Es wurde dann von dem 30-jährigen Rumänen bestätigt, der von einem Dolmetscher übersetzen ließ: "Der ist vorbeigekommen und hat plötzlich gegen unser Fahrzeug geschlagen." Was geschah danach? Dann, so sagte der in Neunburg wohnende Zeuge, habe der ihm völlig unbekannte Mann zu einem Tongefäß gegriffen, das wohl in unmittelbarer Nähe stand. Der Blumenübertopf zersprang auf dem Asphalt. Mit einer der Tonscherben sei er dann, zwischenzeitlich ausgestiegen, massiv attackiert worden.

Ladung ignoriert

Der Angriff mit der Tonscherbe ging nach Darstellung des 30-Jährigen gegen seinen Hals, auch Schulter und Oberkörper wurden blutend verletzt. Dass er sich wehrte, stellte der Rumäne nicht in Abrede. Die Staatsanwaltschaft hat deswegen auch gegen ihn eine Anklageschrift geschrieben. Der Prozess wird Ende Februar sein.

Es gab einen Zeugen, der die offenbar heftige Schlägerei zwischen beiden Männern beobachtet hatte. Seine Aussage bei der Polizei war eindeutig. Sie ließ darauf schließen, dass sowohl gegen das parkende Fahrzeug geschlagen als auch ein Splitter des tönernen Gefäßes zur Waffe umfunktioniert worden war. Diese Angaben wurden zwar von der Richterin verlesen, doch seiner Zeugenladung folgte der Neunburger nicht. Deshalb muss er jetzt 300 Euro Ordnungsgeld zahlen und hat zwingend damit zu rechnen, dass er beim nächsten Prozesstermin erneut auf der Vernehmungsliste steht.
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