Arbeit der Zukunft gestalten

Die Gewerkschaftsvertreter Thomas Hiltl und Alexander Gröbner führten gemeinsam mit Oberbürgermeister Andreas Feller und Landrat Thomas Ebeling (vorne von rechts) die Gruppe an, die vom Marktplatz zum Stadtpark marschierte. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
02.05.2015
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Seit 125 Jahren versammeln sich Arbeitnehmer am 1. Mai, um für ihre Rechte einzutreten. Daran erinnerte Betriebsratsvorsitzender Thomas Hiltl (IG Metall) bei der Kundgebung am Freitag im Schwandorfer Stadtpark. Für zwei Mandatsträger war es die erste Maifeier.

Landrat Thomas Ebeling und Oberbürgermeister Andreas Feller marschierten erstmals an der Spitze der Gruppe, die sich vom Marktplatz zum Stadtpark bewegte, begleitet von der Blaskapelle Dachelhofen. Der Kreisvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), Franz Pointl, geißelte den Turbokapitalismus und das Streben der Arbeitgeber nach Gewinnmaximierung.

Der KAB-Vertreter sieht in Niedriglöhnen einen "Angriff auf die Würde des Menschen" und erkennt in guter Arbeit bei fairem Lohn "ein Grundrecht". Die Altersarmut bleibt für Franz Pointl eine "tickende Zeitbombe". Die Vertreter der Verdi-Jugend, Kathrin Feigl und Tobias Gruber, sprachen von den Ängsten der Jugendlichen, "die nach der Lehre um eine Anstellung bangen oder als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden".

Missbrauch von Leiharbeit

Der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Oberpfalz, Alexander Gröbner, nannte die Erfolge der Gewerkschaft: Mindestlohn, Rente mit 63, die Allianz für Aus- und Weiterbildung. Jetzt gehe es darum, den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen zu beenden, um "mehr Mitbestimmung" zu kämpfen, das Pflege- und Gesundheitssystem zu verbessern, das Risiko der Altersarmut zu verringern und eine Rente zu garantieren, "die zum Leben reicht".

Frauen benachteiligt

Sechs Millionen Menschen leben von Hartz IV, zwölf Millionen unter der Armutsgrenze. Darunter zwei Millionen Kinder. Gröbner sorgt sich vor allem um Familien und mahnt eine "korrekte Berechnung der Regelsätze" an. "Es bleibt eine Schande, dass Frauen immer noch durchschnittlich 22 Prozent weniger verdienen als Männer", so Gröbner weiter. Diese Entgeltlücke zu schließen, sei das Ziel der nächsten Jahre.

Ein Drittel der Auszubildenden im Handwerk werfe das Handtuch, stellte der Verdi-Vertreter mit Blick auf die Statistik fest. Der Grund: Unqualifizierte Ausbilder, Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten. "Da wundert es nicht, dass das Handwerk über fehlenden Fachkräftemangel klagt. Er kritisierte "die soziale Spaltung im Bildungswesen" und ist der Meinung: "Kein Kind und kein Jugendlicher darf zurückgelassen werden".

Der Hauptredner der Schwandorfer Maikundgebung ging mit der europäischen Flüchtlingspolitik hart ins Gericht, die es zulasse, "dass Menschen im Mittelmeer ertrinken". Kritisch nahm er die geplanten Freihandelsabkommen ins Visier, "die Investorenrechte schützen und Verbraucherinteressen einschränken sollen". Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen, getreu dem Motto zu diesem 1. Mai: "Die Arbeit der Zukunft gestalten wir".
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