Auch "Messies" haben Anspruch auf Strom und Wasser
Selbstjustiz kennt der Rechtsstaat nicht

Lokales
Schwandorf
03.06.2015
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Der Begriff "Messie" weckt nicht nur Assoziationen zur Fußball-Welt. Er gilt für Menschen, die sehr bewusst Wohnungen vermüllen. Doch darf man denen dann als Vermieter die Heizung und das Wasser abdrehen? Das darf man nicht, wie eine Verhandlung beim Schwandorfer Amtsgericht zeigte.

"Es war Notwehr", entrüstete sich der 76-Jährige. Gegen einen Strafbefehl über 450 Euro Geldbuße hatte der ehemalige Handwerksmeister aus dem südlichen Landkreis Einspruch zum Amtsgericht eingelegt und hoffte darauf, dass man ihm dort Verständnis entgegenbringen würde. Doch die Richterin Petra Froschauer befand: "Was Sie da gemacht haben, war ein klassischer Fall von Nötigung."

Fall für ein Gericht

Der Mann ("Meine Frau und ich leben von kleiner Rente und brauchen die Mieteinnahmen") besitzt zwei Häuser. In einem wohnt das Ehepaar selbst, das andere ist vermietet an eine dreiköpfige Familie. Die Mieter machten dann plötzlich eine "Minderung" geltend, zahlten irgendwann wohl auch gar nichts mehr von den vereinbarten monatlichen 750 Euro.

Warum taten sie das? In der Wohnung war Schimmelbefall aufgetreten. Der Hausbesitzer besah sich den Schaden und stellte bei seinem Besuch gleichzeitig fest, "dass der ganze Müll in der Wohnung aufbewahrt wurde." Aschentonnen hätten die Leute nie benutzt, Abfall habe sich in den Räumen gestapelt. Die Richterin vernahm den Sachverhalt und hörte weiter: "Der Schimmel wurde von denen verursacht. Früher war keiner da."

Einspruch chancenlos

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Vermieter und Mieter begannen im Dezember letzten Jahres, sie setzten sich auch heuer im Januar noch fort. Dann, offenbar völlig genervt von der Situation, stellte der Hauseigentümer erst den Strom, dann das Warmwasser und später auch das Kaltwasser ab. Draußen herrschten gerade mal 13 Grad. Die Leute froren, sie konnten weder duschen noch etwas kochen. Also gingen sie zum Anwalt, kam auch die Polizei.

Durfte der Vermieter so handeln? "Dafür gibt es Gerichte", fiel die Richterin dem erbosten 76-Jährigen ins Wort und riet ihm dringend, den Einspruch gegen einen ergangenen Strafbefehl zurück zu nehmen. Das tat der Mann schließlich. Beim Abgang gab ihm Petra Froschauer mit auf den Weg: "Das Recht darf nicht in eigene Hände genommen werden. Egal, wie die Lage auch ist."
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