Autofahrerin missachtet Blinklicht und kollidiert mit einem Zug - 50-Jährige muss dafür eine ...
Kreischen, Krachen und Horror pur am Bahnübergang

Lokales
Schwandorf
10.03.2015
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Sie muss wohl mehrere Schutzengel gehabt haben. Obwohl die Warnlichter blinkten und schon ein Auto angehalten hatte, fuhr eine 50-Jährige auf den Bahnübergang an der Mappacher Straße in Bruck zu. Auf den Schienen wurde ihr Wagen von der Lok eines Güterzuges erfasst.

Das Kreischen und Krachen wird der Unfallfahrerin so lange sie lebt im Gedächtnis bleiben. Sie war an einem Apriltag letzten Jahres auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit, bog aus einem Seitenweg in die Mappacher Straße ein und befand sich nur wenige Meter entfernt von einem unbeschrankten Bahnübergang. Weshalb fuhr die 50-Jährige an dem dort stehenden Auto vorbei? Ihr Argument vor Gericht: "Ich dachte, die Fahrerin würde auf jemanden warten. Sie hatte sich eine Zigarette angezündet." Und die intakten Blinklichter? "Ich habe sie nicht wahrgenommen. Die Sonne schien." Also geblendet?

Das konnte so nicht stattgefunden haben. "Sie hatte die Sonne im Rücken", sagte eine ermittelnde Polizeibeamtin beim Prozess wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Was kurz vor 8 Uhr an jenem Frühjahrsmorgen geschah, ließ sich die Amtsrichterin Petra Froschauer nun auch vom Lokführer schildern. Der Mann war mit seinem zu diesem Zeitpunkt unbeladenen Güterzug von Bodenwöhr nach Nittenau unterwegs. Er hatte auf dem Führerstand am Anzeigetableau wahrgenommen, dass ein weißes Licht signalisierte: "Die Warnblinkanlage am unbeschrankten Übergang war aktiviert." Von daher schöpfte er keinen Argwohn.

Plötzlich sah er das Auto, leitete noch eine Notbremsung ein, drosselte das Zug-Tempo auf geschätzte 40 Stundenkilometer. Doch es half nichts mehr: Der Wagen wurde erfasst. Die Bilanz: 25 000 Euro Schaden und eine Fahrerin, die mit vergleichsweise leichten Verletzungen davongekommen war. Zur Richterin sagte sie unter Tränen: "Da waren mit Blickrichtung auf die Gleise nur Büsche. Und aus ihnen kam dieser riesige Stahlkörper auf mich zu."

Verteidiger Thomas Leidner regte eine Einstellung des Verfahrens wegen eines gefährlichen Verkehrseingriffs an. Doch da mochte Staatsanwältin Manuela Zeller nicht mitmachen. Sie beantragte 2700 Euro Geldstrafe, verzichtete aber auf ein Fahrverbot, das in einem von der Angeklagten angefochtenen Strafbefehl noch verhängt worden war. Die Richterin legte sich auf 1400 Euro fest, auch sie sah von einem Fahrverbot ab. Zu der 50-Jährigen sagte Petra Froschauer: "Sie haben damals wohl einiges fehlinterpretiert. Doch an der Fahrlässigkeit ist nicht zu rütteln."
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