Bauern protestieren vor Supermarkt-Filiale gegen Preispolitik der Handelskonzerne - BBV fordert ...
"Schleuderpreise" in einer bedrohlichen Dimension

Gegen Schleuderpreise protestierten (von links) BBV-Kreisobmann Johann Wilhelm und seine Kollegen Johann Sieß, Johann Hahn, Rudolf Birner, Kreisbäuerin Barbara Hanauer, Josef Irlbacher, Barbara Ruhland und Rita Heigl. Bild: hfz
Lokales
Schwandorf
19.08.2015
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Bei einem Discounter in Schwandorf gibt es das halbe Pfund Butter für 79 Cent, Schweineschnitzel für 4,27 Euro pro Kilo, zehn Eier aus Bodenhaltung für 99 Cent - der Lebensmitteleinzelhandel liefert sich im Moment einen ruinösen Preiskampf. Er wird auf dem Rücken der Bauern ausgetragen, betont der Bayerische Bauernverband.

Jetzt habe die Rabattschlacht eine neue Dimension erreicht: Der Wettbewerb werde immer weiter angeheizt, inzwischen würden von Discountern auch Markenartikel verramscht. Die Leidtragenden seien die Bauern. Dazu kämen Trockenheit und Ernteausfälle. "In nahezu allen Bereichen haben die Bauern erhebliche Einbußen zu verzeichnen und mit riesigen Problemen zu kämpfen", äußerte sich Kreisobmann Johann Wilhelm in einer BBV-Pressemitteilung: "So kann und darf es nicht weitergehen! Wenn jetzt nichts gegen diesen Verdrängungswettbewerb unternommen wird, wird unsere Landwirtschaft ans Messer geliefert."

Auf die aktuelle Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels hat die Kreisvorstandschaft des Bauernverbandes vor einer Discounter-Filiale in Schwandorf aufmerksam gemacht: "Diese Schleuderpreise zerstören!" "Mit Aufklebern und Plakaten wollen wir deutlich machen, dass am Ende wir alle die Verlierer in dieser Rabattschlacht sein werden", betonte Wilhelm. Wer Qualität und Nachhaltigkeit will, dürfe nicht so mit hochwertigen Lebensmitteln und den Bauern umgehen. Die Landwirte seien es nämlich, die mit ihrer oft harten Arbeit jeden Tag aufs Neue dafür sorgen, dass die Versorgung mit sicheren und gesunden Lebensmitteln gewährleistet ist.

Das sei keineswegs so selbstverständlich, wie es die vollen Regale in den Supermärkten und die grellbunten Schildchen für die unzähligen Rabattaktion glauben machen wollen: In diesem Jahr liegen die Erträge beim Getreide und beim Raps etwas unter dem Vorjahr. Doch noch weit größere Probleme gibt es bei den Pflanzen, die seit Wochen der extremen Hitze ausgesetzt waren und erst in den letzten Tagen Wasser abbekommen haben: Bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben werden wegen der Trockenheit Ertragseinbußen erwartet. In manchen Gebieten rollen schon die Maishäcksler - vier Wochen früher als geplant, um noch zu retten, was zu retten ist. Doch der geerntete Mais liefert nur wenig Energie, so dass die betroffenen Landwirte dieses Defizit mit Zukauffutter ausgleichen müssen. Und gleichzeitig sind die Preise, die für Milch und Fleisch, insbesondere Schweinefleisch, zu erzielen sind, nicht mehr annähernd kostendeckend.
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