Bei Bedarf Grenzen setzen

Stellvertretender Landrat Joachim Hanisch (Zweiter von links) mit der Referentin Anne Kimmel (Vierte von rechts), der Gleichstellungsbeauftragten Helga Forster (Zweite von rechts) und Mitgliedern des Arbeitskreises Sexueller Missbrauch. Bild: hfz
Lokales
Schwandorf
11.07.2015
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Sexueller Missbrauch ist häufig nach wie vor ein Tabuthema. Genau hier setzt die Öffentlichkeitsarbeit des Arbeitskreises Sexueller Missbrauch im Landkreis an.

"Wir wollen dieses Thema stärker in die Öffentlichkeit bringen, sachlich darüber informieren und Eltern und Fachkräfte sensibilisieren, Ohren und Augen für Betroffene offen zu haben", sagte Helga Forster, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, bei der Fachtagung im Landratsamt. Das diesmal gewählte Thema "Sexualisierte Gewalt unter Kindern und Jugendlichen", sprach 50 Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendarbeit an.

Stellvertretender Landrat Joachim Hanisch lobte die Arbeit des Arbeitskreises, der seit mehr als 20 Jahren zeige, wie wichtig und präsent das Thema gestern wie heute sei. Referentin Anne Kimmel vom Team Pro Prävention aus Fürth wies darauf hin, dass Eltern und Fachkräfte in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe oder Schulen, die feststellen, dass ein Kind andere Kinder sexuell belästige und angreife, meist zutiefst verunsichert seien, wie sie mit dem Übergriff angemessen umgehen können. Um sexuelle Aktivitäten von sexuellen Übergriffen unterscheiden zu können, sei zunächst die Auseinandersetzung mit kindlicher Sexualität notwendig.

Kimmel erklärte ausführlich die Phasen der kindlichen Körper- und Sexualentwicklung. Sogenannte Doktorspiele sind Teil dieser Entwicklung. Als Kriterien sexueller Übergriffe unter Kindern nannte sie Unfreiwilligkeit, ein Machtgefälle oder das Praktizieren von Erwachsenensexualität. Mögliche Ursachen sind eigene Betroffenheitserfahrung, gesellschaftliche Bedingungen und nach wie vor das vorherrschende männliche Rollenverständnis.

Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung, um zu lernen, auf ihre Gefühle zu hören und bei Bedarf Grenzen zu setzen. Kimmel gab pädagogische Handlungstipps an die Fachkräfte weiter, wie mit sexualisierter Gewalt und sexuellen Übergriffen umzugehen ist. Der Arbeitskreis Sexueller Missbrauch ist ein Zusammenschluss von Beratungseinrichtungen und staatlichen Stellen, die im Landkreis mit dem Thema befasst und in dem auch die Jugendsozialarbeiter an Schulen mit vertreten sind. Mit Fachtagungen leistet er einen wichtigen Beitrag zur Prävention. Schwerpunkt bildet die Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel der Information und Enttabuisierung.
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