Beleidigung und Verstoß gegen Waffengesetz bringen 29-Jährigen hinter Gitter - Kurioser Fall in ...
Eine ganze Hausgemeinschaft im Zeugenstand

Lokales
Schwandorf
25.02.2015
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Der Mann lebte lange auf der Straße. Bis er eine Freundin in Neunburg vorm Wald fand und in das Haus zog, in dem auch sie eine Wohnung hatte. Da kam es dann zu turbulenten Ereignissen, die nun bis vor das Amtsgericht führten.

Wirklich selten der Fall, dass eine ganze Hausgemeinschaft Zeugenladungen erhält. Doch wo ansonsten bei lauten Auseinandersetzungen die meisten Türen rasch zugehen, waren in diesem Fall etliche Mieter direkt vor Ort, als in einem der oberen Stockwerke der Lärmpegel heftig anstieg. Doch ehe sich die Richterin Petra Froschauer bis zu dieser Begebenheit vorgearbeitet hatte, mussten erst zurückliegende Ereignisse diskutiert werden.

Dick aufgetragen

In das Mehrparteienhaus war einige Zeit davor ein 29-jähriger Franke gezogen. Er verbrachte sein Leben bis dahin obdachlos auf der Straße, machte dann Bekanntschaft mit einer Neunburgerin und erhielt die Möglichkeit, eine eigene Wohnung in einem Anwesen zu beziehen. Auch seine Freundin war mit dort. Allerdings in eigenen vier Wänden. Die Sache ging anfangs gut. Dann aber wurde dem 29-Jährigen die Wohnung gekündigt. Er verschwand, räumte nicht aus. Das taten dann Leute aus der Mietergemeinschaft, darum gebeten offensichtlich vom Hausbesitzer. Etliches verschwand in einem Container. Nur ein paar Anziehsachen blieben bei der nicht gut auf ihren Freund zu sprechenden Frau.

Im September letzten Jahres erschien der 29-Jährige mit Begleitern, wollte Sachen abholen. Die Bekannte soll dann dem Mann einen Korb mit - wie es im Prozess hieß - Klamotten vor die Füße geworfen haben. Hausbewohner erlebten die ganze Angelegenheit. Ein Wort gab das andere, man schrie sich an, sparte wohl auch nicht mit derben Ausdrücken. Da entfuhr es dem 29-Jährigen: "Asoziales Pack!" Das überschritt erträgliche Maße: Vier Leute erstatteten Anzeige wegen Beleidigung.

Drei Monate in Haft

Für den zwischenzeitlich im Raum Schwandorf wohnenden Franken kam es noch dicker: Seine Freundin rief nach der Polizei und übergab den Beamten ein in Deutschland verbotenes Butterflymesser. "Das gehört ihm", erfuhren die Uniformierten und schrieben eine weitere Anzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. "Gehörte mir nicht", behauptete der Angeklagten nun vor Gericht. Doch die Besitzverhältnisse waren eindeutig, zumal das Messer in Gegenwart seiner Freundin in Tschechien gekauft worden war.

Was folgte, war ein geharnischter Strafantrag von Staatsanwalt Stefan Schneider. Sechs Vorahndungen innerhalb kürzester Zeit hatte er bei dem 29-Jährigen festgestellt. "Und nun auch noch das unter laufender Bewährung", sagte er streng und forderte vier Monate Haft zum Absitzen. "Maßlos überzogen", kommentierte Verteidiger Michael Kaplitz diesen Antrag. Aber auch die Richterin ließ keine Milde walten. Nach dem Urteil wusste der Mann, dass er jetzt drei Monate ins Gefängnis muss. Aber: Das Amberger Landgericht wird wohl als Berufungsinstanz bemüht.
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