Berufsschule erinnert an Habermeier-Haus-Brand vor 26 Jahren
"Elly" und "Ingo": Theater gegen Rechts

Elly (Christine Elisa Wagner) und Ingo (Daniel Zimpel) kommen beide aus einem autoritären, prügelnden Elternhaus. Sie tritt dafür ein, den Menschen ihre Rechte zu geben, er wird zum Neonazi-Schläger, getrieben von Hass. Bild: Held
Lokales
Schwandorf
17.12.2014
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Vier brennende Kerzen im Beruflichen Schulzentrum Oskar-von-Miller nehmen nicht den vierten Advent vorweg, sondern erinnern an die vier Menschen, die am 17. Dezember 1988 einem ausländerfeindlichen Brandanschlag zum Opfer gefallen sind. Der Lehrer und Regionalbeauftragte für Demokratie und Toleranz Günter Kohl hat die Gedenkveranstaltung am Mittwoch organisiert, denn der Brandstifter war ein Schüler der Berufsschule. Das "uetheater" aus Regensburg trat in "Elly und Ingo" für Freiheit, Toleranz und Menschenrechte ein.

Die Protagonisten sind tief verletzte Seelen, die sich gegensätzlicher nicht entwickeln können. Die eine predigt Liebe, der andere Hass. Das Zwei-Personen-Stück mit Christine Elsa Wagner als Elly und Daniel Zimpel als Ingo zeigt, dass Hass und Gewalt keine Lösung ist.

Die sanfte Elly und der laute, sich als Macho gebärdende Ingo erhalten eine Stunde lang die volle Aufmerksamkeit der Schüler. Das spricht für sie und das Stück. Elly ist die Regensburger Lehrerin Elly Maldaque, die aus dem Schuldienst entfernt, 1930 in die Irrenanstalt eingewiesen wird und wenige Tage später stirbt.

Angst vor Unterwanderung geschürt

Die Figur des gewalttätigen Neonazis Ingo wurde aus verschiedenen Aussteigerberichten und Interviews mit Skinheads gebildet. Regisseur und Autor Kurt Raster hätte gern den Ingo dem Schwandorfer Neonazi Josef S. nachempfunden, aber über dessen Persönlichkeit sei zu wenig bekannt. Eine Nachfrage der Theatergruppe unmittelbar nach dem Stück bewies, ein beachtlicher Teil der Schüler ist überzeugt, dass die deutsche Gesellschaft auch heute noch vor einer Diktatur nicht gefeit sei.

Ein Schüler begründet dies mit dem Film "Die Welle". Hier werde gezeigt, es gehe Schritt für Schritt, schleichend. Die Nazis hätten die Angst vor der Unterwanderung durch Juden geschürt, heute seien es die Muslime, sagte Raster.

Erinnerung aktueller denn je

Für den Leiter des Beruflichen Schulzentrums Ralf Bormann ist die Erinnerung an den feigen Brandanschlag aktueller denn je. Wieder gehe es gegen Ausländer, wieder gehe es gegen Minderheiten, auch Homosexuelle. Freiheit müsse verteidigt werden. "Das ist Ihre Freiheit," rief er den Berufsschülern zu.

Kohl erinnerte an die Opfer rechter Gewalt, auch an das Oktoberfest-Attentat von 1980, auch an die Ermordung eines 49-jährigen in Amberg. Der 49-Jährige musste sterben, weil er homosexuell war. Und bis heute, kritisierte Kohl erinnere in Amberg nichts an dieses Opfer rechter Gewalt. Auch Schwandorf habe es lange geschafft, den rassistisch-motivierten Habermeier-Haus-Brand zu verdrängen. Erst seit 2009 gebe es jährliche Gedenkveranstaltungen.
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