"Betreutes Wohnen" geht nicht

BBV-Bezirksvorsitzender Franz Kustner und MdB Karl Holmeier (von links) konnten sich im Stall von Stefan Kiener überzeugen, "dass sich die Kühe sehr wohl fühlen". Bild: rid
Lokales
Schwandorf
09.04.2015
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2008 hat die Familie Kiener einen Laufstall für 70 Kühe gebaut und soll darin jetzt erneut investieren. So fordert es ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung. Die darin geäußerten Vorstellungen zum "Tierwohl" schrecken nicht nur den Bauern Stefan Kiener auf.

Stefan Kiener (29) hat den Milchviehbetrieb im Schwandorfer Ortsteil Münchshöf im vergangenen Jahr von seinen Eltern übernommen und bewirtschaftet ihn zusammen mit Ehefrau Martina im Vollerwerb. Jetzt steht er vor einem Problem: "Hier werden Auflagen gemacht, die unsere Familienbetriebe überfordern", stellte der Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes, Franz Kustner, gestern bei seinem Besuch auf dem Hof fest.

Es sei einfach nicht zu machen, so der BBV-Funktionär, "dass von heute auf morgen alle Anbindeställe verschwinden und die Laufställe auch noch klimatisierte Außenbereiche bekommen sollen".

BBV-Kreisobmann Hans Wilhelm reagiert auf "die Vorschläge der Theoretiker" mit der süffisanten Bemerkung: "Jetzt fehlt nur noch die Forderung nach betreutem Wohnen für Kühe". Jeder Nutztierhalter sei doch im eigenen Interesse bestrebt, "dass es seinen Tieren gut geht", so Wilhelm. Dies bestätigt auch Junglandwirt Stefan Kiener, wenn er sagt: "Wir tun hier wirklich unser Möglichstes". Jetzt will er erneut Geld in die Hand nehmen und für seine Kühe einen "klimatisierten Außenbereich" schaffen.

Landwirte "sauer"

Hat denn der moderne Laufstall keinen Melkroboter? "Der bin ich", meldet sich Martina Kiener zu Wort. Sie schließt täglich zweimal 70 Kühe an die zwölf Melkmaschinen an. Ihr Ehemann sorgt für die Fütterung der Tiere, bearbeitet die Felder rund um den Hof und wird heuer erstmals Soja anbauen. Sein Ziel: "Wir wollen die Futtermittel für die Tiere selbst erzeugen und damit Kosten senken".

Gesellschaftliche Strömungen, Ernährungstrends und Medienberichte macht BBV-Präsident Franz Kustner dafür verantwortlich, "dass derzeit nichts so im Fokus der Öffentlichkeit steht wie die Nutztierhaltung". Die jüngste Studie des wissenschaftlichen Beirats sei da geradezu Wasser auf die Mühlen der Kritiker. "Die Verärgerung unter den Landwirten ist groß", weiß Franz Kustner aus Gesprächen mit Rinder- und Schweinezüchtern. Sollte das "Neun-Punkte-Programm" der Sachverständigen umgesetzt werden, befürchtet der Funktionär einen weiteren Strukturwandel.

Politik will eingreifen

"So weit wird es nicht kommen", versichert Karl Holmeier. Der CSU-Mandatsträger war der einzige der zehn Bundestagsabgeordneten der Oberpfalz, der sich für den BBV-Termin Zeit genommen hatte. Holmeier hat mittlerweile die CSU-Arbeitsgemeinschaft "Landwirtschaft" zu einer Stellungnahme beauftragt. Für Juni hat er die AG-Vorsitzende Marlene Mortler (Lauf an der Pegnitz) zu einer Diskussionsrunde in den Landkreis eingeladen. Die Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft und Bundestagsabgeordnete werde dabei die Position der CSU zum Tierwohl erläutern.

Karl Holmeier wehrt sich gegen den Vorwurf der Gutachter, die Nutztiere würden nicht artgerecht gehalten. "Das ist schlichtweg falsch", so der Abgeordnete. In der weiteren Feststellung des Beirats, die Landwirte seien nicht ausreichend geschult, sieht er einen Affront gegen die Ausbildung an den Landwirtschaftsschulen.
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