Betreuung will geregelt sein

Waltraud Brettner, Rita Sebald, Christine Lehmer und Wolfgang Meischner (von links) raten jedem Menschen ab dem 18. Lebensjahr zu einer Vorsorgevollmacht. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
08.12.2015
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Rund 2500 Betreuungsfälle sind im Landkreis registriert. Drei Viertel der Betreuer stammen aus dem familiären Umfeld der Betroffenen, den Rest der Arbeit übernehmen vom Gericht bestellte Vereins- oder Berufsbetreuer. Es besteht Bedarf an Ehrenamtlichen.

Wer das Risiko vermeiden möchte, in eine "Betreuungsfalle" zu tappen, sollte eine Vorsorgevollmacht erteilen. "Dafür ist es nie zu früh, aber häufig zu spät", sagt Wolfgang Meischner. Der Leiter der Betreuungsstelle des Landratsamtes rät jedem Bürger ab dem 18. Lebensjahr, einen entsprechenden Vordruck auszufüllen und dort kundzutun, wem er im Falle von Krankheit oder Unfall die Fürsorge übertrage. Liege nämlich keine schriftliche Vollmacht vor, setze das Gericht einen Betreuer ein. Das koste Geld und berge Risiken in sich, so Meischner. Dass sich unter den Betreuern immer wieder auch "ein paar schwarze Schafe" befänden, sei in den Augen von Wolfgang Meischner zwar bedauerlich, sollte den Ruf der seriös und verantwortlich handelnden übrigen Betreuer aber nicht schädigen.

Zwei, die von Berufs wegen "betreuen", sind Rita Sebald und Waltraud Brettner vom Betreuungsverein der Lebenshilfe. Sie haben aktuell 64 Personen unter ihrer Obhut und kümmern sich um das Wohnumfeld, die wirtschaftlichen Angelegenheiten und die Gesundheitsvorsorge und vertreten die Betroffenen vor den Behörden. Sebald empfiehlt zusätzlich eine Vollmacht für die finanziellen Dinge, "denn die Banken erkennen die Vorsorgevollmacht oft nicht an". Zu den Querschnittsaufgaben des Betreuungsvereins zählt sie die Gewinnung, Beratung und Fortbildung von ehrenamtlichen Betreuern.

Seit 1996 arbeitet Christine Lehmer an der Betreuungsstelle des Landratsamtes und weiß um die Probleme, die sich ergeben können, "wenn keine Betreuungsvollmacht vorliegt". Wenn Vermögen, Grundstücke oder Immobilien vorhanden seien, rät Christine Lehmer zu einer notariellen Hinterlegung der Vollmacht. Der Gesetzgeber setze dem Betreuer klare Grenzen und erlaube zum Beispiel nicht, eine Immobilie eigenständig zu verkaufen, Bankgeschäfte ohne gerichtliche Vollmacht zu tätigen oder für die zu betreuende Person ein Testament zu verfassen.

Im Landkreis kümmern sich insgesamt 25 hauptamtliche und eine Vielzahl ehrenamtlicher Betreuer um Menschen, die Hilfe benötigen. "Jemanden als Betreuer einzusetzen, ist Vertrauenssache", betont Waltraud Brettner. Die Gefahr des Missbrauchs sei gegeben. Die Vollmacht könne nur bei klarem Verstand widerrufen werden, später nicht mehr. "Missbrauchsfälle werden oft Jahre später erst bekannt, wenn überhaupt", sagt Waltraud Brettner. Ein Bedarf an ehrenamtlichen Betreuern bestehe immer, versichert Wolfgang Meischner. Vor allem im östlichen Landkreis bestehe eine Versorgungslücke.
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