Bilder jenseits des Vertrauten

Am Sonntag öffnet die Ausstellung "Draußen" im Oberpfälzer Künstlerhaus mit einer großen Vielfalt an Werken der fünf Künstler (von links) Stefan Birchender, Jan Gemeinhardt, Christina Kirchinger, Sebastian Speckmann und Eveline Kooijman. Linolschnitt, Malerei, Radierung und Fotografie vom "Westentaschenformat" bis zu raumfüllenden Bildern beeindrucken mit Lichterspiel, viel Schwarz und Weiß. Bild: Götz
Lokales
Schwandorf
27.06.2015
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"Draußen!" lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf, die am Sonntag (28. Juni) eröffnet wird. Klassische Pleinair-Malerei sucht man dort allerdings vergeblich.

Andrea Lamest mag die Vernetzung. "Ich finde es schön, wenn Begegnungen zwischen Künstlern stattfinden", sagt die Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses in Schwandorf. Konkret meint sie in diesem Fall die aktuelle Ausstellung. Für die Gruppenschau "Draußen!" hat Lamest fünf junge Künstler in die Kebbel-Villanach geholt. Stefan Bircheneder, Jan Gemeinhardt, Christina Kirchinger, Eveline Kooijman und Sebastian Speckmann zeigen ihre malerischen und grafischen Auseinandersetzungen mit dem Thema. Dass sich diese ausschließlich an der frischen Luft abspielen, ist ein irreführender Gedanke.

Stefan Bircheneder etwa, der Regensburger Malervirtuose mit Vorliebe für urbane Randzonen, bleibt seinem Stil auch in dieser Ausstellung treu. Eigens für die Schau im Oberpfälzer Künstlerhaus hat er Hallen der örtlichen Firma "Fronberg Guss" unter die Lupe genommen.

Visuelle Versatzstücke

In seinen vermeintlich fotografisch-exakten Darstellungen nimmt der Künstler den Raum für sich ein, wie er es beschreibt. Was aber auch heißt, dass er Veränderungen vornimmt: So realistisch die Bilder Stefan Bircheneders auch wirken. Es handelt sich dabei um Welten, die der Künstler aus visuellen Versatzstücken selbst zusammengebaut hat.

Räume spielen auch bei Christina Kirchinger eine Rolle. Sie dienen als Vorbild für die dunklen Radierungen der momentan als eine Art Regensburger Shooting-Star Erfolge feiernden Künstlerin. Daneben greift sie sich aber auch Motive aus der Natur oder aus ihrer eigenen Fantasie. Farbe braucht sie für ihre gegenständlichen, dabei aber schwer zu definierenden Darstellungen nicht. "Mir reicht das Hell-Dunkel", sagt sie. Eine Düsternis haftet auch den Arbeiten der anderen vertretenen Künstlern an. Das "Draußen" tritt hier häufig als Hinwendung zur Romantik auf. Vor allem bei Jan Gemeinhardt. Der In Hof geborene und heute in Nürnberg lebende Künstler sammelt seine Eindrücke gerne beim Spaziergang durch die Natur.

Das künstlerische Resultat sind dann kleinformatige Gemälde, auf denen sich dichte Wälder, windgepeitschte Küsten und drohend sich zusammenbrauende Wolkenformationen zu einem teils formauflösenden Gemisch fügen. "Ich bin fasziniert von Absurditäten und Merkwürdigkeiten", äußert sich Gemeinhardt zu seinen Bildern.

Schwarz im Grundton sind die Arbeiten Sebastian Speckmanns. Der Leipziger Künstler zeigt in Schwandorf Linolschnitte und Papierarbeiten. In seiner mit großem Können ausgearbeiteten Druckgrafik vereint Speckmann "Vorlagen aus aller Welt" zu seltsam stillen Landschaften und Szenerien. Außerdem nimmt er sich Bücher aus dem frühen 20. Jahrhundert vor. Indem er auf den Bildern Stellen ausradiert und selbst schöpferisch eingreift, verändert Speckmann historische Aufnahmen mit einem feinen Sinn für Humor.

Aufgehäufte Erde

Um die Historie geht es teils auch bei Eveline Kooijman. Sie hat Schauplätze bedeutender Schlachten in ihrer heutigen Erscheinung fotografiert. Doch dem nicht genug. "Alles gehört irgendwie zusammen", lautet die Überzeugung der Regensburgerin mit niederländischen Wurzeln.

Für eine weitere Werkserie hat Kooijman daher Erde der besagten Schlachtfelder mitgenommen. Durch ein Rohr hindurch fotografiert, verändert diese ihre Erscheinung völlig: Den vermeintlichen Planeten, die Kooijman in Schwandorf zeigt, sieht man nicht an, dass sie eigentlich aufgehäufte Erde sind. Die Ausstellung "Draußen!" hat es in sich. Kuratorin Andrea Lamest fasst zusammen: "Hier finden sich Werke, welche sich mit den Welten hinter der eigentlichen sichtbaren Welt beschäftigen."
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