Briefhüllen und Taschenkalender: Zwölfte Vorstrafe wegen einer Beute im Wert von 7,28 Euro - ...
Ex-Kreis- und Stadtrat sitzt auf der Anklagebank

Lokales
Schwandorf
05.06.2015
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(hwo) Einst spielte er in der Kommunalpolitik eine Rolle. Jetzt muss sich immer mal wieder die Justiz mit dem ehemaligen Kreis- und Stadtrat beschäftigen. Vom Amtsgericht Schwandorf bekam der 56-Jährige jetzt seine zwölfte Vorstrafe.

Die Beute hatte einen Wert von 7.28 Euro. Sie bestand aus Briefhüllen und einem Taschenkalender. Beides steckte der Mann ein, als er Besorgungen in einem Schwandorfer Supermarkt machte. Sein Pech dabei: Der 56-Jährige wurde vom Ladendetektiv beobachtet. "Ein Versehen", beteuerte der ehemalige Kreisrat. Doch das mochten ihm weder Staatsanwalt Jan Prokoph noch Richterin Petra Froschauer glauben.

Schon hinter Gittern

In der Verhandlung schilderte der Angeklagte seine politische Karriere, wollte darüber debattieren und machte auch längere Ausführungen zu seinem Schicksal, das ihn längst nicht mehr auf der Sonnenseite des Lebens sieht. Doch daran war die Vorsitzende eher nur am Rande interessiert. Sie blätterte im Vorstrafenregister, förderte elf Einträge zutage und stieß auf den Umstand, dass der 56-Jährige auch schon mehrere Monate hinter Gittern zubringen musste. Dabei war es um Reparaturrechnungen gegangen, die nicht bezahlt wurden. Als der Ladendiebstahl in die Akten kam, stand noch eine Bewährung offen. Das kreidete ihm Staatsanwalt Prokoph an und führte dem Beschuldigten vor Augen: "Sie sind erheblich vorbestraft." Daraus leitete der Anklagevertreter seine Forderung ab: "Zwei Monate Haft, die gerade noch zur Bewährung ausgesetzt werden können und außerdem 350 Euro Geldauflage."

"Keine Absicht"

Noch einmal ruderte der 56-Jährige in Richtung Freispruch. "Keine Absicht", gab er zu Protokoll und fügte hinzu, er kaufe sehr gerne in diesem Schwandorfer SB-Markt ein, wolle auch weiterhin dort Kunde sein. Die Richterin glaubte nicht an ein "Versehen". Allerdings blieb sie unter dem Antrag des Staatsanwalts. Der ehemalige Kreisrat, nach eigenen Angaben in sehr bescheidenen Verhältnissen lebend, muss für den Ladendiebstahl 300 Euro Geldstrafe zahlen.

Das nahm der Verurteilte zwar zur Kenntnis, erkundigte sich aber nach der Möglichkeit, diese Ahndung irgendwie auf gemeinnütziger Basis abarbeiten zu können. Das, befand Richterin Froschauer, müsse er mit der Staatsanwaltschaft ausmachen. Ob der Anklagevertreter in Berufung geht, ließ er offen.
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