Bürgerversammlung: Bahn und Kritiker informieren zu "Güterkorridor Naabtal 21" - Stadt will ...
Vom Flaschenhals zur Eisenbahn-Magistrale

Michael-Ernst Schmidt und Robert Hanft von der Deutschen Bahn Netz AG, Oberbürgermeister Andreas Feller sowie die beiden Vertreter des "Forums Bahnlärm Güterkorridor Naabtal 21" , Thomas Kraus und Peter Exner (von links) informierten bei der Bürgerversammlung in der Spitalkirche über die Pläne von Bund und Bahn. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
16.07.2015
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"Wir stehen erst bei Adam und Eva, da malt er schon die Apokalypse an die Wand", bediente sich der "bibelfeste Schwabe" Michael-Ernst Schmidt des Alten Testaments. Mit "er" meinte der Sprecher der "Deutsche Bahn Netz AG" seinen Vorredner Thomas Kraus. Denn der Vertreter des "Forums Bahnlärm Güterkorridor Naabtal 21" hatte allen Anwohnern entlang der Bahnstrecke "Hof - Schwandorf - Regensburg" zuvor schlaflose Nächte prophezeit.

Heute fahren auf dieser Strecke sechs Güterzüge täglich, "nach der Elektrifizierung werden es 80 sein". Thomas Kraus aus Altenstadt ist Gründungsmitglied des Forums und seit vier Jahren unterwegs, um die Menschen entlang der Trasse zu sensibilisieren. Am Mittwoch sprach er bei der Bürgerversammlung in der Spitalkirche. Die Strecke Hof - Regensburg soll zu einem Hochleistungs-Güterzug-Korridor ausgebaut werden.

"Noch ist die Trasse der Flaschenhals im Güterkorridor Ost", machte Thomas Kraus deutlich. Das einzige Teilstück, das noch nicht elektrifiziert sei. Der Forumssprecher geht deshalb davon aus, dass die Ertüchtigung dieses Teilstücks Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan 2015 finden wird. Der Strecke werde eine hohe Wirtschaftlichkeit mit dem Faktor 2,2 bescheinigt. Geschätzte Baukosten: 413 Millionen Euro. Thomas Kraus hat sich sagen lassen: Wenn der Bund an dieser Stelle weitere 200 Millionen Euro in den Lärmschutz investieren würde, ergäbe sich immer noch ein günstiger Kosten-Nutzen-Faktor von 1,5.

Kein Anspruch auf Schutz

Wenn nicht, rechnet das Forum mit erhöhtem Lärm durch den Güterverkehr, vor allem nachts. Bis zu 103 Dezibel werde sich der Lärmpegel potenzieren, hätten Experten hochgerechnet. Das Lärmempfinden der Menschen sei bei Gütertransporten nämlich bis zu acht Mal höher als beim Personenverkehr, so Thomas Kraus. Er rechnet mit dem Verlust an Lebensqualität entlang der Strecke. "Wer wegziehen kann, wird das tun". Das Problem: "Für die Anwohner besteht kein Anspruch auf Lärmschutz, weil es sich um eine bestehende Trasse handelt".

Thomas Kraus ruft die Bürger und Kommunen auf, die Abgeordneten einzuschalten und sich an den Abstimmungen im Internet zu beteiligen. Im Oktober werde das Bundesverkehrsministerium unter www.bmvi.de eine Plattform frei schalten und die Bürger um ihre Meinung fragen. "Da müssen wir richtig auftreten", so der Appell des Forumsprechers. Die Vertreter der Deutschen Bahn Netz AG, Robert Hanft und Michael-Ernst Schmidt, wiesen auf die hohe Belastung vor allem der westdeutschen Bahnknoten hin. "Sie bewegen sich am Limit". Der geplante Ostkorridor von Hamberg über Hannover, Wittenberg, Halle, Hof, Schwandorf, Regensburg, München nach Salzburg soll eine Entlastung der bestehenden Nord-Süd-Route bringen.

Die Stadt werde, so kündigte Oberbürgermeister Andreas Feller an, eine Internet-Plattform einrichten, auf der die Bürger ihre Sorgen und Nöte äußern können.
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