Christian Seibert begeistert mit "Klaviermusik aus zwei Jahrhunderten"
Virtuoser Start ins Konzertjahr

Lokales
Schwandorf
05.01.2015
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Rasende Finger auf den Tasten: In der Spitalkirche spielte Christian Seibert mit bewundernswertem Engagement "Klaviermusik aus zwei Jahrhunderten". Die Konzerte waren ein musikalischer Höhepunkt gleich zu Jahresanfang.

Zweite Bürgermeisterin Ulrike Roidl freute sich mit Pianist Christian Seibert über eine schon vormittags gut gefüllte Spitalkirche, das Nachmittags-Konzert mit gleichem Programm war ausverkauft. Gemäß dem Leitgedanken des Neujahrskonzerts "Tänze, Bilder und Geschichten" begann Seibert mit den 16 "Walzern für Pianoforte" op 39 von Johannes Brahms. Das sind kleine Charakterstücke, die mit der Tanzform nur den Dreivierteltakt gemeinsam haben, ansonsten sind sie viel tiefsinniger; die einen betont heiter, die anderen eher melancholisch.

Reichtum an Gedanken

Allen gemeinsam ist jedoch der Reichtum an Gedanken, der nicht nur den berühmten Walzer op 39/15 prägt. Seibert schaffte problemlos, den speziellen Charakter jedes Stücks zu vermitteln. Drei Meisterwerke von Frederic Chopin folgten. Zuerst die "Polonaise - Fantaisie As-Dur" op 61, die nach einer verträumten Einleitung ein forsches, polnisches Tanzthema in allmählicher Steigerung darbot. Christian Seibert verstand es, auch den Gedanken der freien Fantasie in seine hochvirtuose Gestaltung einzubauen. Das berühmte "Regentropfen - Prélude", die Nr. 15 aus den "24 Préludes" op 28, folgte.

Verhalten die Melodie über den dauernden Staccato-Achteln auf dem gleichen Ton, von denen das Stück seinen Namen bekommen hat, melancholisch steigernd der Mittelteil, in dem die "Tropfen" die Oberstimme übernehmen. Schließlich die "Ballade Nr. 1 g-moll" op 23 mit ihrer unendlichen Melodie, die das ganze Stück durchzieht, auch wenn sie zuweilen in den Hintergrund rückt. Christian Seibert konnte sie unnachahmlich lebendig halten.

Ruheloses Gleiten

Nach der Pause folgte erst einmal ein rein spanischer Programmteil. Eröffnet wurde er mit der "Fantasia baética" von Manuel de Falla in der Fassung für Klavier solo. Sie wurde von Seibert als ruheloses Dahingleiten mit eingefügten Gefühlsausbrüchen gestaltet. Auch der 4. Satz "Quejas o la Maja y el Ruisenor" aus dem Zyklus "Goyescas" , also sechs Stücken nach Gemälden von Francisco Goya, von Enrique Granados wurde von einer Melodie geprägt, die durch hinzugefügte Akkorde oder umspielende Läufe angereichert ist.

Selten gespielt

Der dritte bedeutsame Spanier im Programm war Isaac Albéniz. Von ihm erklang "Triana", also die Nummer 6 aus der "Suite Iberia", deren mittleres Tempo vor allem durch den Zusatz "con anima" beeinflusst wurde, in lyrischen Passagen ebenso wie in markanten. Dass sich Christian Seibert dieser relativ selten gespielten Musik annimmt, zeigt sein breitgefächertes Interesse an Klaviermusik und ist als zusätzliches Verdienst seines Spiels zu werten.

Den krönenden Abschluss des Programms bildete die "Rigoletto-Konzertparaphrase" von Franz Liszt, ein Virtuosenstück, das einfallsreiche Wandlungen einiger Verdi-Melodien aus dessen gleichnamiger Oper vornimmt. Christian Seibert ist es dabei hoch anzurechnen, dass er die unglaublichen Passagen voller Virtuosität stets den musikalischen Gesichtspunkten unterordnete und damit überzeugend vermittelte. Als Zugabe folgte der "Sturm-Marsch" und schließlich der berühmte "Liebestraum Nr. 3" von Franz Liszt. Ein glanzvoller Auftakt des Konzertprogramms im Neuen Jahr war die von Christian Seibert glanzvoll interpretierte "Klaviermusik aus zwei Jahrhunderten" in jedem Falle.
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