Das ganz besondere Porträt der Dichterin Mascha Kaleko beim lyrisch-musikalischen Abend
"Unwiderstehlich und zeitlos"

Lyrik-Abend mit Paula Quast (rechts) und Krischa Weber. Im Saal des evangelischen Gemeindezentrums erinnerten sie an Mascha Kaleko. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
03.02.2015
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Paula Quast braucht keine Requisiten, Lichteffekte oder Verstärker. Eine Kerze genügt als Dekoration. Die Künstlerin zieht die Zuhörer allein mit ihrer Stimme in den Bann. Es war mucksmäuschenstill im ausverkauften Saal des evangelischen Gemeindezentrums, als die gebürtige Berlinerin gemeinsam mit der Cellistin Krischa Weber ein lyrisch-musikalisches Porträt der jüdischen Dichterin Mascha Kaleko zeichnete.

Das Programm war Lesung, Schauspiel und Konzert zugleich und passte nicht in das gängige Klischee der Dichterlesungen. Die leicht verständlichen Verse handelten von Abschied und Einsamkeit, von Sehnsucht und Traurigkeit sowie von Freundschaft, Liebe und Glück.

"Nach Nirgendland"

Aufmerksam lauschten die Zuhörer der Mischung aus Musik, Rezitation und Meditation. Aus der Feder der 1907 in Polen geborenen Schriftstellerin stammen wehmütige, poetische Lyrik und heiter-melancholische Verse, aber auch Ironisch-Heiteres, mit der Mascha Kaleko Ereignisse ihrer Umgebung kommentierte.

Besonders eindrucksvoll klingen die wehmütigen Verse, in denen die Dichterin kurz vor dem Tod den Verlust ihrer Heimat thematisiert: "Wohin ich immer reise, ich komme nach Nirgendland". Und: "Zur Heimat erkor ich mir die Liebe". Die Werke waren gezielt ausgewählt und gewährten einen Einblick in den Lebenslauf der Dichterin. Die Erinnerungen reichten von den Erzählungen der Kinderfrau "Agota" bis zu den Erinnerungen an ihren letzten Besuch in Berlin.

Keine feingeistige Literatur hatte die Tochter jüdisch-russisch-österreichischer Eltern schreiben wollen. Ihre Gedichte sollten vielmehr eine "Gebrauchspoesie" für jedermann sein. Die Gefühle von Mascha Kaleko lassen sich auch sofort nachempfinden. Wenn Ahornbäume Oktoberduft in den Park senden, wenn die Kinderfrau Agota "alles wusste" oder Mascha beim "Interview mit mir selbst" beim Abgang aus der Schule nicht ins Leben, sondern ins Büro, "einer schlechtbezahlten Pflicht", entlassen wird. Da bleibt nur "ab und zu ein Gedicht und warten auf das Glück".

Eine Prise Ironie

Es war eine gemeinsame Veranstaltung des evangelischen Bildungswerkes, der katholischen Erwachsenenbildung und der Schwandorfer Stadtbibliothek. EBW-Vorstandsmitglied Thomas Dobler erinnerte daran, wie die junge Mascha Kaleko im Berlin der Weimarer Republik die Herzen der Großstädter "mit Charme, Humor und erotischer Strahlkraft" eroberte.

Mit 22 Jahren veröffentlichte sie die ersten Gedichte. Ihre Poesie sei stets von einer Prise Ironie begleitet gewesen, so Thomas Dobler in seiner Einführung. Die eigentümliche Mischung aus Melancholie, Witz und politischer Schärfe habe die Dichterin "unwiderstehlich und zeitlos" werden lassen. Als Jüdin musste Mascha Kaleko aus Deutschland emigrieren . Sie starb am 21. Januar 1975 in Zürich.
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