Dem "Türmer" auf der Spur

Einen Blick vom Turm der Schwandorfer Kreuzbergkirche auf den Klostergarten gab es als "Zugabe". Bild: rid
Lokales
Schwandorf
14.09.2015
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Wenn sich diese Gelegenheit bietet, sollte sie auch genutzt werden. Insofern waren gestern viele Interessierte beim Tag des offenen Denkmals unterwegs. Sie wurden mit vielfältigen Eindrücken belohnt.

"Von der Kohle zum Strom". Die Filmdokumentation von Georg Wickles zeigt die enge Verzahnung der Bayerischen Braunkohlenindustrie (BBI) mit dem Kraftwerk in Dachelhofen. Die Vorführung erfolgte an historischer Stätte auf dem ehemaligen Bayernwerksgelände. Der Autor war von 1972 bis 2003 Elektriker im Bayernwerk und hat selbst Fotos gemacht und Filme gedreht. Weitere Dokumente stammen aus Nachlässen von verstorbenen Bayernwerk-Kollegen. Aus dem gesamten Fundus hat Georg Wickles eine 82-minütige Dokumentation zusammengestellt, die er zum Tag des offenen Denkmals in den Räumen des heutigen Berufsbildungszentrums (BBZ) zeigte.

Plötzlich schwarze Erde

Die Aufnahmen erinnern an die Entwicklung der Kohleförderung Anfang des vorigen Jahrhunderts bis zur "Auskohlung" im Jahre 1980. Die Erschließung neuer Kohlefelder, die Umsiedlung von Alt-Wackersdorf und die Herstellung von Brikettkohle waren ebenfalls Inhalt der Dokumentation. Der Film erinnert auch an den Schneidermeister Andreas Schuster, der Anfang des 18. Jahrhundert beim Graben eines Brunnens schwarze Erde entdeckte, die sich als Braunkohle entpuppte. Zwei Nachfahren von Andreas Schuster saßen bei der Filmvorführung gestern Nachmittag im Saal.

Am "Türmerhaus" sollen sich künftig der Jakobsweg, der Jura-Goldsteig-Weg und der Panoramaweg kreuzen. Das ist die Vorstellung des Vorsitzenden des "Oberpfälzer Waldvereins", Erwin Mayer, der die Sanierung des historischen Gebäudes vorantreibt. Die Hälfte der Baukosten von 150 000 Euro muss der OWV-Zweigverein selbst aufbringen, der Rest soll aus EU-Fördermitteln finanziert werden. "Die Anträge haben wir eingereicht", erklärte der Vorsitzende den Besuchern, die am Sonntag die Baustelle besichtigten.

Im Erdgeschoss sind ein Aufenthaltsraum und eine Küche vorgesehen, im ersten Stock entstehen ein Büro, ein Archiv und ein Raum für die Jugendgruppe "Schwammerling". Wenn die Fördermittel genehmigt sind, wird der Verein den Dachstuhl erneuern und den Innenausbau fortsetzen. Die Fertigstellung ist für 2017 geplant. Das "Türmerhaus" hat Michael Kunz, der Vater des Bayernhymne-Komponisten Konrad Max Kunz, im Jahre 1828 erbaut. Das Schwandorfer Wahrzeichen, auch als Blasturm bekannt und letzter erhaltener Wehrturm der ehemaligen Stadtbefestigung, war einst Sitz des Türmers, der die Bevölkerung durch Signaltöne über Feuer und herannahende Feinde informierte. Als Sohn eines solchen Türmers wurde auch Konrad Max Kunz, der Komponist der Bayernhymne und berühmteste Sohn der Stadt, dort geboren.

Blick in Kirchen

Gästeführer Josef Albrecht erklärte die Besonderheiten der Schwandorfer Stadtpfarrkirche mit ihrem neugotischen Flügelaltar. Zwischen 1978 und 1985 wurde das Gotteshaus innen und außen renoviert. Mitarbeiter der Stadt begleiteten die Besucher durch die "Schwandorfer Unterwelt" und zeigten ihnen das größte Felsenkeller-Labyrinth in Bayern, das einst als Lagerstätte für Bier diente und deshalb auch Kellerdiebe anlockte. Im Zweiten Weltkrieg waren die Keller Zufluchtsort für die Bevölkerung.

Gästeführerin Irene Hey nahm die Besucher mit auf einem Rundgang durch die Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg und machte sie auf die besondere Architektur dieser Kirche aufmerksam. Die Kreuzbergkirche wurde während des Zweiten Weltkrieges völlig zerstört und anschließend in einer sehr modernen und in der Region einzigartigen Weise wieder errichtet. Nach der Besichtigung stiegen die Teilnehmer auf einen der Türme und genossen die Aussicht über Schwandorf.

Auch das Rathaus hatte geöffnet. Zwar handelt es sich hier um kein Denkmal, doch die Ausstellung in den Gängen zeigt Aufnahmen historischer Gebäude und deren Wandel im Laufe der Zeit. Auch die Mitarbeiter des Stadtmuseums luden die Besucher zu einem Rundgang ein.
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