Der letzte Wunsch

Pfarrer Dr. Christoph Seidl, Chefärztin Dr. Regina Birk und Pflegedirektor Frank Hederer (von links) beantworteten auch Fragen der weit über hundert Besucher zur aktuellen Diskussion um die Sterbehilfe. Bild: hfz/Marion Hausmann
Lokales
Schwandorf
25.10.2014
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Ist nur ein schneller Tod ein guter Tod? Chefärztin Dr. Regina Birk, Pflegedirektor Frank Hederer und Pfarrer Dr. Christoph Seidl regten beim ersten Patientenforum Ethik im Festsaal des Krankenhauses zum Nachdenken über "Entscheidungen am Lebensende" an.

"Die meisten Menschen wünschen sich einen schnellen Tod: Ich lege mich abends ins Bett und wache morgens nicht mehr auf." So formulierte Dr. Regina Birk, Chefärztin für Anästhesie und Intensivmedizin, den Wunsch vieler Menschen für ihr Lebensende. Dieser Wunsch erfülle sich aber nur für rund fünf Prozent. Deshalb empfehlen Dr. Regina Birk, Pflegedirektor Frank Hederer und Pfarrer Dr. Christoph Seidl, sich rechtzeitig Gedanken über Entscheidungen zu machen, die am Lebensende anstehen.

Was ist zu tun?

Die Chefärztin skizzierte den Fall einer 95-jährigen dementen Patientin, die seit Jahren bettlägerig ist und künstlich ernährt wird. Die Kinder sind ihre Bevollmächtigten. Als sich ihr Allgemeinzustand verschlechtert, stellt sich die Frage, welche Behandlungsmaßnahmen noch stattfinden sollen. Sie selbst hat eine Patientenverfügung gemacht, nach der sie weder lebensverlängernde Maßnahmen noch künstliche Ernährung wünscht.

Für die Ärzte wie die Angehörigen stelle sich die Frage, ob es sich jetzt noch um eine sinnvolle Lebensverlängerung oder schon um eine unnötige Sterbeverzögerung handele. Was ist zu tun, um zu einer "ethisch richtigen" Entscheidung am Lebensende zu kommen? Dieser Frage gingen die drei Referenten nach. Wenn keine Patientenverfügung als Ausdruck des tatsächlichen Willens vorliegt, muss der mutmaßliche Wille ausfindig gemacht werden. Dazu werden zum Beispiel frühere Äußerungen, persönliche Wertvorstellungen, die Lebenserwartung oder auch das Ausmaß der Schmerzen herangezogen. Im Zweifel rufen die behandelnden Ärzte oder Mitarbeiter der Pflege das Ethik-Komitee an und bitten um ein Ethik-Konsil.

Pflegedirektor Frank Hederer betonte, dass es sinnvoll sei, eine Vorsorgevollmacht zusammen mit dem Bevollmächtigten sowie gegebenenfalls einem Notar oder Anwalt zu erstellen. Zudem zähle nur das Original und es sollte für die Angehörigen im Ernstfall leicht zu finden sein. Zwischen all die medizinischen Fortschritte und gesetzlichen Regelungen mischen sich aber auch immer wieder Zweifel, ob alles Machbare auch sinnvoll ist. "Mensch sein zwischen Schicksal und Machsal", betitelte Dr. Christoph Seidl, Seelsorger für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen in der Diözese Regensburg, seine Gedanken zu den Entscheidungen am Lebensende.

Die schiefe Ebene

Er sprach auch die Ängste an, die viele Menschen vor den Folgen des Altwerdens haben. Auf diesen Ängsten basiere vielfach der Wunsch nach einem Gesetz, das den ärztlich assistierten Suizid regele. Dieser Wunsch wiederum bringe Ärzte an die ethischen Grenzen ihres Handelns und führe den generellen Schutz des Lebens in der Gesellschaft insgesamt auf eine schiefe Ebene.

Deshalb schloss er mit zwei Fragen: "Was müsste sich gesellschaftlich ändern, um andere Antworten auf die Fragen leidender Menschen zu geben als ein geplantes Gesetz?" - Und: "Ist nur ein schneller Tod ein guter Tod?"
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