Der "Papa" wird's richten

"Papa" Wolfgang Nowak (stehend, links) im Kreise einer Flüchtlingsfamilie. Berührungsängste kennt er nicht. Im Gegenteil: Er genießt die Gastfreundschaft, wenn er zu Besuch kommt. Rechts der 17-jährige Thaer Alammari aus Syrien, der inzwischen schon dolmetschen kann. Bilder: rid (2)
Lokales
Schwandorf
28.12.2014
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Inzwischen sagen alle "Papa" zu ihm. Wenn Wolfgang Nowak die Flüchtlingsfamilien in Fronberg und Schwandorf besucht, begrüßen sie ihn wie einen treu sorgenden Vater, der ihnen Möbel besorgt, sie regelmäßig zur "Tafel" fährt und sich um die Kinderbetreuung kümmert.

"Organisieren liegt mir", sagt der vielfach engagierte Rentner. Er bedient sich dabei eines Netzwerks von Helfern und Kontakten und arbeitet unermüdlich daran, die Neubürger möglichst schnell zu integrieren.

Zu den vier Familien, um die sich Wolfgang Nowak intensiv kümmert, gehören über 30 Kinder und Jugendliche. Ihnen besorgt er Fahrräder, Kleidung, Hefte, Bücher und Stifte, vermittelt Krippen- und Kindergartenplätze und schafft mit seinem Anhänger Möbel und Elektrogeräte heran. Beim Aufbauen hilft ihm der gelernte Schreiner und KAB-Freund Hans Ziegler aus Fronberg .

Kontakte geknüpft

Wolfgang Nowak bezeichnet sich selbst als "alten WAA-Kämpfer". Diese Energie hat sich der Sprecher der Marterlgemeinde bis heute bewahrt und setzt sie nun für die Unterstützung der Flüchtlinge ein. Er spricht bei den Behörden und der "Lernenden Region" vor, sucht noch unbürokratischen Lösungen und lässt sich nicht so leicht abweisen. Barbara Roidl aus Fronberg hat er als Sprachpatin und Hausaufgabenhilfe angeworben, Gemeindereferent Markus Seefeld hält den Kontakt zur Pfarrei und zur Schule, und seine Frau Cilly begleitet die Flüchtlinge zum Arzt. Auf seine Anregung hin schnürt die Stadt inzwischen ein "Willkommenspaket" mit Heften und Stiften für die Kinder .

Meistens hat "Papa" nicht viel Zeit, wenn er in der Fronberger-, der Wackersdorfer-, der Garten- und der Rothlindenstraße vorbeischaut. Wenn er sich dann aber doch einmal hinsetzt an den Tisch im Esszimmer, dann spürt Wolfgang Nowak die Gastfreundschaft der Familien, bekommt etwas zurück für das, was er tut. Irgendwann, so hofft er, würden sie ihn nicht mehr brauchen. Doch bis dahin sei aber noch ein weiter Weg. "Die Männer brauchen Arbeit", ist sich der "Ersthelfer" im Klaren. Voraussetzung dafür sei aber die Sprache. Darum hat Wolfgang Nowak Kontakt zur Volkshochschule aufgenommen und schickt die Erwachsenen in einen Sprachkurs.

Die Kinder gehen in den Kindergarten oder in die Schule. So wie Thaer Alammari, ältestes von acht Kindern einer syrischen Familie, die in Fronberg wohnt. Nach einem Jahr Aufenthalt spricht der 17-jährige schon so gut Deutsch, dass er für Wolfang Nowak dolmetschen kann. Der junge Mann geht in die "Flüchtlingsklasse" der Berufsschule und möchte Automechaniker werden. Er ist dankbar, dass es Menschen wie Wolfgang Nowak gibt.

"Es läuft ganz gut"

Inzwischen hat der Betreiber des Fronberger Eine-Welt-Ladens ein Lager mit Dingen des täglichen Bedarfs eingerichtet, aus denen er die Familien versorgt. Zulieferer hat er genügend im Bekannten- und Verwandtenkreis. Mittlerweilen häufen sich auch die Geldspenden zur Erfüllung von Sonderwünschen. "Es läuft ganz gut", nickt Wolfgang Nowak zufrieden.
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