Der romantische Beethoven

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Beethoven und Schubert arbeiteten (von links) Christian und Kurt Seibert sowie Antje Bauer beim Seminar im Künstlerhaus heraus. Bild: tie
Lokales
Schwandorf
29.03.2015
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Wie stand Beethoven zur Romantik? Die Frage stand im Mittelpunkt eines Seminars beim Schwandorfer Klavierfrühling. Analyse und Tonbeispiele brachten interessante Einblicke.

Im dritten Seminar des "Schwandorfer Klavierfrühlings 2015" wurde verdeutlicht, wie Beethoven zur Romantik stand. Antje Bauer spielte zu Beginn des .Seminars im Saal des Oberpfälzer Künstlerhauses das Finale aus der Klaviersonate B-Dur (D 960) von Franz Schubert. Christian Seibert analysierte anhand von Tonbeispielen die Interpretation des Anfangsbereichs durch Claudio Arrau, Andras Schiff, Gregory Sokolov und Alfred Brendel.

Er kam zu dem Ergebnis, dass auch etwas verschiedene Tempo- und Anschlagsvorstellungen durchaus mit der Vorstellung von Romantik kompatibel sind. Wie Christian Seibert weiterhin an selbstgespielten Tonbeispielen aus Schuberts Klaviersonaten c-moll (D 958) und A-Dur (D 959) nachwies, geht der Komponist von einem Grundton aus, der dem musikalischen Geschehen Sicherheit gewährt. Prof. Kurt Seibert meinte dazu, dass die motivische Arbeit bei beiden Tondichtern ähnlich sei, eine Erweiterung des Klangspektrums, also eine unterschiedliche Beleuchtung eines Themas zwar bei Schubert vorkommt, bei Beethoven aber kaum. Was verbindet nun Beethoven und Schubert? Da erweist sich die Klaviersonate e-moll (op 90) von Beethoven als diejenige, die der Romantik Schuberts am nächsten steht. Das geht sogar soweit, dass diese Sonate als einzige von 32 ausschließlich deutsche Tempoangaben trägt.

Für Beethoven ist sie damit ein Sonderfall und das ist zu hören. Der erste Satz beginnt tänzerisch, wird insgesamt jedoch von einer leicht melancholischen Gefühlslage in e- moll geprägt. Das fordert der Komponist in der Überschrift: "Mit Lebhaftigkeit und durchaus mit Empfindung und Ausdruck". Das E-Dur des folgenden Satzes verändert die Stimmung entscheidend. Er soll "nicht zu geschwind und sehr singbar vorgetragen" werden und damit die tröstliche Antwort auf die vorige Melancholie geben. Das alles darzustellen, schaffte Antje Bauer, die als Höhepunkt des Seminars die Sonate schließlich vortrug, in berührender und glaubhafter Weise.
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