Der Tod kommt pianissimo

Heimspiel für Stefan Mickisch: Im Oberpfälzer Künstlerhaus seiner Heimatstadt Schwandorf führte der Pianist geistreich durch zwei Tondichtungen von Richard Strauss: Don Juan und Till Eulenspiegel. Bild: Götz
Lokales
Schwandorf
28.09.2015
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Stefan Mickisch stellt im Oberpfälzer Künstlerhaus zwei Tondichtungen von Richard Strauss in einer eigenen Klavierfassung vor - immer am Rande einer Katastrophe, wie er sagt.

"Es geht um alles oder nichts" charakterisiert der Pianist Stefan Mickisch (53) zu Beginn des Konzertabends im voll besetzten Saal des Oberpfälzer Künstlerhauses seinen Beruf. Auch an diesem Abend, meint der Pianist, zählt beim Spiel jeder Ton. Während der Schauspieler sich mal versprechen und gleich korrigieren darf, ist in einem Musikstück auch nur ein falscher Ton eine Hörkatastrophe, die den Sinn der musikalischen Aussage beschädigt. Dennoch würde er sich wie immer größte Mühe geben, meint Mickisch augenzwinkernd, was ihm das Publikum mit verständnisvollem Lächeln abnimmt. Daraufhin gibt der Künstler Erläuterungen zu der Tondichtung "Don Juan" (Op. 20) von Richard Strauss, die dieser nach der Dichtung "Don Juan" von Nikolaus Lenau verfasst hat. Um in die musikalische Stimmung hineinzugelangen, spielt Mickisch einen Auszug in H-Dur aus "Tristan und Isolde" von Richard Wagner. Auch in weiteren Beispielen zeigt sich die Wesensverwandtschaft dieser Tonart. Sie kennzeichnet genauso Don Juan in der Tondichtung von Richard Strauss.

Mit anderen Tonarten werden jeweils die Frauengestalten charakterisiert, wie Mickisch glaubhaft vorführt. Das Denken von Don Juan ist dadurch geprägt, dass er meint, jeder Frau, die ihn wolle, müsse er das Recht darauf einräumen. Dementsprechend ist am Schluss der Tondichtung nicht der Sieg einer Frau in großen Akkorden zu vermelden, sondern die Resignation, dass man als Mann eben nicht alle Frauen zufriedenstellen wird. Dass Don Juan dann von einem eifersüchtigen Mann erstochen wird, bedingt einen Schluss im Pianissimo.

Fürs Klavier reduziert

Nach diesen Erläuterungen spielt der Pianist das ernste Werk. Er führt überzeugend den Gegensatz zwischen den dahinstürmenden Themen des glanzvollen Eroberers und den leidenschaftlichen wie zarten Melodien der Liebesepisoden vor. Umso düsterer ist am Schluss die Resignation in zwei einzelnen Pianissimo-Vierteln dargestellt. Es ist jedes Mal faszinierend, wie Stefan Mickisch es schafft, einer Tondichtung,. die ja für großes Orchester geschrieben ist, auf dem Klavier zu vermitteln. Er erfasst damit zwar nicht alle Stimmen, aber alle Stimmungen.

Dann geht es mit "Till Eulenspiegels lustige Streichen" (Op. 28) weiter. Die Tondichtung ist gemäß Strauss "Nach alter Schelmenweise in Rondeau-Form" geschrieben. Laut Mickisch ist Humor in Tönen besonders schwer darzustellen. Damit weist er darauf hin, dass dieses Werk einen völlig anderen Grundgehalt wie "Don Juan" besitzt, der von musikalischen Streichen getragen wird. Eine Verrenkung, ein Hopser stellt sich musikalisch eben als Umkehrung, als Verkürzung, als Variation eines Themas dar. Und so grenzenlos der Reichtum an Einfällen von Richard Strauss ist, so breit gefächert ist die Kunst der Darstellung durch Stefan Mickisch. Keifende Marktweiber und eingebildete Professoren sind die bevorzugten Opfer des "Schelms", hurtig wie behäbig stellt sie der Pianist vor.

Humor hat Bestand

Zwar bezahlt auch Till Eulenspiegel seine Unangepasstheit mit dem Leben , aber auch nach seinem Tod lebt er als Schalk weiter. Humor lässt sich eben nicht unterkriegen, das macht der Pianist Stefan Mickisch in seiner glanzvollen Interpretation deutlich.
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