Des Pfarrers Bedenken widerlegt

Zweite Bürgermeisterin Ulrike Roidl (links) gratulierte Anna und Alfred Gietl zur eisernen Hochzeit. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
09.06.2015
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"Überleg dir gut, was du tust", sagte damals der Pfarrer von St. Jakob zu Anna Bauer, die er von Kindheit an kannte und die ausgerechnet den Protestanten Alfred Gietl heiraten wollte. Anna wusste, was sie tat und hat ihre Entscheidung bis heute nicht bereut.

Seit 65 Jahren sind die beiden ein glückliches Paar. Zweite Bürgermeisterin Ulrike Roidl gratulierte zur eisernen Hochzeit. Wer in den 1950-er Jahren eine konfessionelle "Mischehe" einging, sah sich dem psychischen Druck der katholischen Amtskirche ausgesetzt. "Der Pfarrer hat mir damals abgeraten, einen Protestanten zu heiraten", erinnert sich die 88-jährige Seniorin heute. Bevor der Geistliche das Ja-Wort in einer kurzen Zeremonie ohne Gottesdienst "absegnete", verpflichtete er die Frau unter Eid, ihre Kinder "katholisch" zu erziehen. In die Verlegenheit, den Schwur zu brechen, kam sie nicht. Ihre Ehe mit Alfred Gietl (87) blieb kinderlos. "Die Glaubensunterschiede haben bei uns nie eine Rolle gespielt", versichert das Ehepaar einhellig.

Zum Jubiläum überraschte sie ihren Mann mit einem Gedicht, erinnerte an die gemeinsamen Jahre und stellte fest: "Wir haben Freud und Leid geteilt, so ist die Zeit davon geeilt".

Die beiden waren leidenschaftliche Camper und zunächst im Wohnwagen und später im Wohnmobil in ganz Europa unterwegs. Beruflich arbeitete Alfred Gietl als Baggerführer, davon 30 Jahre auf Montage. Anna Gietl, geborene Bauer, war eine sehr erfolgreiche Handballerin beim TSV und FC Schwandorf, spielte Faustball, war Leichtathletin und kegelte. Heute spielt sie leidenschaftlich Schafkopf in fröhlicher Runde. Zweite Bürgermeisterin Ulrike Roidl besuchte am Dienstag das Ehepaar in der Sommerstraße und gratulierte zum Hochzeitsjubiläum mit einem Geschenk.
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