Die eigene Geschichte im Film

Die Kunstfälscher Helene und Wolfgang Beltracchi standen Rede und Antwort.
Lokales
Schwandorf
28.09.2014
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Die Kunst des Fälschens haben Helene und Wolfgang Beltracchi perfekt beherrscht. Über das Ehepaar wurde ein Dokumentarfilm gedreht, der am Samstag bei den "Zwickl-Tagen" zu sehen war. Ein Häftling stellte sich dabei der Diskussion.

Juristisch ist ihr Fall zwar abgehandelt, wirtschaftlich haben Helene und Wolfgang Beltracchi aber noch lange daran zu knabbern. Was den 63-jährigen Kunstfälscher und seine Frau zudem belastet, ist die "moralische Schuld". Das ließen sie den Besuchern des Dokumentarfilms "Beltracchi - Die Kunst des Fälschens" am Samstag im Metropolkino wissen.

Das Ehepaar wurde wegen "gewerbsmäßigen Bandenbetrugs" zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Helene Beltracchi ist mittlerweile wieder frei, ihr Mann wird im Januar 2015 entlassen. Weil er sich im offenen Strafvollzug befindet, war es ihm möglich, am Samstag zusammen mit seiner Frau Helene zu den Schwandorfer Dokumentarfilmtagen "Zwickl" zu kommen.

Wolfgang Beltracchi hat über Jahrzehnte hinweg Lücken im Werk großer Künstler aufgespürt und gemeinsam mit seiner Frau neue Bilder weltweit in den Handel gebracht. Experten der Auktionshäuser und Galerien bemerkten die Fälschungen nicht. 2010 flog der Schwindel auf. Wolfgang Beltracchi hatte in einem seiner Arbeiten eine Farbe verwendet, die es in früheren Kunstepochen noch gar nicht gab.

Das Ehepaar hat gut verdient mit den Fälschungen und nach eigenen Angaben auch gut gelebt. Die Schuldgefühle hielten sich in Grenzen. "Wir haben zwar betrogen, aber eigentlich gab es keine Opfer", beruhigte Wolfgang Beltracchi sein Gewissen. Zudem seien die Gemälde oft reine Spekulationsobjekte auf einem überdrehten Markt gewesen, gehandelt von Unternehmen mit Sitz in irgendwelchen Steuerparadiesen. Die meisten Bilder gingen nach Japan, Frankreich, in die USA und England, nur wenige blieben in Deutschland. "Trotzdem ist es ein deutscher Fall geworden", sagt Wolfgang Beltracchi. Die ausländische Kunstszene habe auf das Vergehen wesentlich milder reagiert als die deutsche.

Um wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen, wollen die Kunstfälscher ihre Geschichte vermarkten und ein Buch schreiben. Auch "Filmemacher aus aller Welt" interessierten sich dafür und wollten einen "Kunstkrimi" drehen. Den Zuschlag erhielt schließlich Arne Birkenstock mit dem Dokumentarfilm "Beltracchi - Die Kunst der Fälschung", der am Samstag im Metropolkino zu sehen war und auf große Resonanz stieß. Viele Besucher kamen auch zur anschließenden Diskussion mit den Hauptdarstellern, um aus berufenem Munde eine Einschätzung der Mechanismen des Kunstmarktes zu erfahren. Die Schwandorfer Dokumentarfilmtage gingen heuer mit vielen Neuerungen in die dritte Runde. "Zwickl" verließ das Union-Kino und suchte mit dem Metropolkino, dem Felsenkeller und der Leitwarte des Zweckverbandes Müllverwertung drei geschichtsträchtige Spielorte auf. Es waren insgesamt 27 Filme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu sehen. Zum Eintrittspreis von einem "Zwickl", also zwei Euro. Die von Anne Schleicher initiierten Filmtage gingen gestern zu Ende.
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