Die Privatbesuche des "FJS"

Der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß trat am 29. September 1986 im Sepp-Simon-Stadion in Schwandorf auf. An seiner Seite die CSU-Prominenz der Region, unter ihnen Marianne Deml (Neunburg vorm Wald), Hans Kraus und Karl Trettenbach (beide Schwandorf; von rechts), sowie links neben Strauß Dionys Jobst (Teublitz), Gustl Lang (Weiden), CSU-Generalsekretär Gerold Tandler, Max Fischer (Cham) und Josef Spichtinger (Oberviechtach). Bild: Gerhard Götz
Lokales
Schwandorf
05.09.2015
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Wenn er kam, konnte Franz-Josef Strauß Privatmann sein. Dafür sorgte sein Freund Gabor Schönek. Der gebürtige Ungar besaß in Bruck eine Teppichweberei und baute dort auch einen Flugplatz. Dort nahm Strauß Unterricht in der Kanzel zweimotoriger Maschinen und war bei Schönek auch gerngesehener Jagdgast.

Der damalige Schwandorfer NT-Redaktionsleiter Toni Siegert, später Redakteur beim Bayerischen Rundfunk, hatte Wind von der Sache bekommen. "Strauß ist da", erfuhr er irgendwann zu Beginn der 1970-er Jahre. Siegert nahm sich einen Volontär mit, fuhr nach Bruck und schaffte es, mit Franz Josef Strauß, der in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden wäre, zu reden.

Begeisterter Hobby-Pilot

Der Ex-Minister und zu dieser Zeit amtierende wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion war begeisterter Hobby-Pilot. Auf dem seinem Freund Gabor Schönek gehörenden Landeplatz Bruck ließ er sich über die Bedienung zweimotoriger Flugzeuge unterrichten. "Wenn Sie schon da sind, reden wir halt", schmunzelte Strauß angesichts der unverhofft auftauchenden Journalisten und gab das erwünschte Interview.

Durchaus trinkfest

Der am 8. Mai 1979 im Alter von 54 Jahren verstorbene Gabor Schönek, ein gelernter Teppichweber aus Ungarn, dessen Brucker Betrieb nach seinem Tod in die Hände einer Unternehmerfamilie aus Kassel überging, war - wenn man so wollte - ein Fan von FJS. Die beiden Männer teilten das Hobby der Jagd. Wenn Strauß eingeladen war, kam er meist auch. Die Öffentlichkeit erfuhr nichts davon. Denn der CSU-Politiker wollte seiner Leidenschaft ungestört nachgehen.

Im Wald bei Bruck existierte damals eine komfortabel eingerichtete Hütte, die Gabor Schönek für seinen prominenten Gast reserviert hatte. Dort war Strauß während seiner Aufenthalte untergebracht. Mitunter kam auch seine Frau Marianne mit zu diesen Ausflügen in die Oberpfalz. Später erzählte man sich Geschichten über so manches, was bei den Jagden geschah. Auch darüber, dass danach ausgiebig gefeiert wurde. Als sehr trinkfest soll sich der spätere Ministerpräsident dabei erwiesen haben.

Es gab noch andere Freunde im Raum Schwandorf, zu denen Strauß Kontakt hielt. Zum Beispiel den Landwirt Josef Brunner, der im Schwandorfer Vorort Richt wohnte und für Franz Josef Strauß in den Bundestag nachrückte, als dieser Regierungschef in Bayern wurde. Wenn Strauß dann irgendwo in der Nähe dienstlich unterwegs war, besuchte er danach den Brunner Sepp.

Auch dabei wurde im Kreis meist eilig geladener Parteifreunde so manches Glas gehoben, stand handfeste Hausmannskost auf dem Tisch. Das mochte Strauß ebenso wie Brunners selbst erzeugte Kartoffeln. Zum Abschied gab es meist einen Sack Erdäpfel in den Kofferraum, verbunden mit Grüßen an Frau Marianne.

Auch in Fronberg fuhr der Wagen des Politikers gelegentlich vor. Dort betrieb der ehemalige Braumeister Helmut Kummeth ein Lokal, das Franz Josef Strauß schätzte. Vor allem, weil dort der von ihm geschätzte Frankenwein in die Gläser floss und es deftige Brotzeiten gab. Auch von solchen meist spät abendlich stattfindenden Besuchen wurden später Geschichten erzählt. Eine davon stammte von dem damaligen Schwandorfer CSU-Landtagsabgeordneten Manfred Humbs. Manfred Humbs hatte nach etlichen Gläsern Wein den Ministerpräsidenten wegen eines angeblich zugesagten und dann wohl nicht ausbezahlten Zuschusses angesprochen.

"Das weiß der morgen sowieso nicht mehr", vermutete Humbs. Weit gefehlt. Strauß ließ ihn ein paar Tage später in die Staatskanzlei kommen, widerlegte die Behauptung und blaffte den Abgeordneten an, er müsse nicht glauben, "dass ich so betrunken gewesen bin, um diesen Unfug nicht zu registrieren."

"Apokalyptische Reiter"

Zur WAA-Zeit tauchte Strauß nicht mehr auf. In der Oberpfalz schlug ihm Ablehnung entgegen. Nur ein einziges Mal kam er. Im Sepp-Simon-Stadion fand eine Kundgebung statt, die eigentlich vom Publikum her zur Unterstützung des von ihm betriebenen Vorhabens, eine atomare Wiederaufarbeitungsanlage bei Wackersdorf zu errichten, hätte beitragen sollen.

Doch die eigentlich nur an Befürworter ausgegebenen Karten wurden von Gegnern des gigantischen Atomprojekts nachgedruckt. So kam es, dass dieser Abend für Strauß zu einem Fiasko geriet. Als er mit Pfiffen bedacht ging, fielen Sätze wie: "Sie sind die apokalyptischen Reiter Ihrer eigenen Dummheit."
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