Die vergessenen Gesichter

Sie stehen für die vielen Toten. Das Stadtmuseum nähert sich mit Hilfe der Kriegs-Sterbe-Bilder den Gräueln des 1. Weltkriegs. Bild: Götz
Lokales
Schwandorf
28.10.2014
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Ein Zivilist inmitten von Soldaten. Marga Schuierer-Boxler weiß nur, der junge Mann ganz rechts auf dem Familienbild ist ihr Großvater Johann Schuierer, der Zivilist ihr Urgroßvater. Doch damit hat sie den historischen Spürsinn von Eva Maria Keil und Josef Fischer geweckt.

Herausgefunden haben die Museumsleiterin und der Stadtarchivar einiges über die Familiengeschichte. Eine Vitrine der Ausstellung "Kriegs-Sterbe-Bilder" im Stadtmuseum zeigt weitere Dokumente und besagtes schwarz-weiß Foto. Keil und Fischer ging es auch um die Hinterbliebenen. Schuierers Witwe Anna hat, nachdem der Zinngießer- und Glasermeister 1916 in Frankreichs mit 31 Jahren gefallen war, den Betrieb weitergeführt und ihn später ihrem Sohn übergeben. Dieser war beim Tod des Vaters vier Jahre alt. Seine ältere Schwester ist 1920 gestorben.

Fischer zeigt beim Pressegespräch am Dienstag im Museum Beiakten, die über nüchterne Beurkundungen hinaus Auskunft über Schicksale geben, über Zeit und Ort von Verwundung und Tod. Hier zeigt der Krieg sein grausames Gesicht. Die jungen Gesichter auf den Sterbebildern tun ihr Übriges. Gegenstände aus der militärhistorischen Sammlung in Amberg und dem Rot-Kreuz-Museum in Regenstauf verursachen leichtes Schaudern, lassen die Schmerzen und Qualen der Verwundeten erahnen. Dies ist nach den Worten von Keil so gewollt. Die Ausstellung, 100 Jahre nach dem Beginn des 1. Weltkriegs, soll nachdenklich stimmen. Das ist laut Keil, angesichts der Konflikte auf der Welt durchaus mehr als angebracht.

In der Sterbebildsammlung der Regensburgerin Marianne Hildebrand steht das von Erzherzog Franz Ferdinand und Gattin Sophie im Zentrum. Mit den Schüssen von Sarajewo begann die Katastrophe mit Millionen Toten. Rund 250 aus der Kernstadt Schwandorf, schätzt Fischer, sind gefallen. Nur noch wenige Sterbebilder gibt es. Das von Josef Wenzl ist dabei. Der Fliegerschütze fiel mit knapp 21 Jahren am 6. Mai 1917 in Nordfrankreich. Am 28. Dezember 1914 schrieb er seinen Eltern: " ... war dies etwas Ergreifendes: Zwischen den Schützengräben stehen die verhaßtesten und erbittertsten Gegner um den Christbaum und singen Weihnachtslieder." "Makaber", sagt dazu Studiendirektor a. D. Erich Zweck, der diese Episode - deutsche und englische Soldaten feiern zusammen Weihnachten - dem Buch über die Aufzeichnungen des Soldaten Albert Pirtsch vorangestellt hat. Dieses erscheint rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung.
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