Die Weichen falsch gestellt

Vom einstigen Glanz eines Empfangsgebäudes ist am Bahnhof Irrenlohe nicht mehr viel geblieben. Ein Geschoß wird noch von der Bahn genutzt. Bild: Hösamer
Lokales
Schwandorf
18.11.2014
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Im Jahr 1910 stieg hier Prinz Ludwig von Bayern in den Zug nach München. Von königlicher Pracht ist am Bahnhofsgebäude Irrenlohe nichts geblieben, selbst es gehört nicht einmal mehr der Bahn. Am 30. November kommt das Gebäude unter den Hammer.

"Altbau, Baujahr circa 1864", so beginnt die Beschreibung des Irrenloher Bahnhofs im Exposé des Auktionshauses Karhausen, das das Gebäude in Berlin versteigert. Mindestens 29 000 Euro plus Courtage muss bieten, wer das geschichtsträchtige Haus in Irlaching mit 594 Quadratmetern Nutzfläche haben will. Das Grundstück um das dreigeschossige Gebäude misst 1071 Quadratmeter.

Am Bahnhof teilt sich die Bahnstrecke Richtung Weiden/Hof und Amberg/Nürnberg. Deshalb ist hier nach wie vor ein Stellwerk untergebracht, mit einem Fahrdienstleiter besetzt. Das komplette Erdgeschoss ist von der Bahn gemietet, pro Jahr fließen dafür knapp 10 400 Euro (netto). Momentan an die Main Asset Management (Dreieich, Hessen). Das Unternehmen ist eine Tochter des Immobilienriesen Patron Capital in London. Mitte des vergangenen Jahrzehnts hatte die Bahn laut Pressesprecher Franz Lindemair (München) ein ganzes Paket an nicht mehr benötigten "Empfangsgebäuden" an Investoren verkauft. In der Hoffnung, dass dieser die Häuser entwickelt oder schnell weiterverkauft.

Diese Hoffnungen haben sich zumindest in Irlaching nicht erfüllt. "Im Nachhinein muss man sagen, dass wir damals den falschen Weg gegangen sind," sagte Lindenmair auf NT-Anfrage. Die Weichen also falsch gestellt? Dem Image der Bahn ist der Zustand des Irrenloher Empfangsgebäudes jedenfalls kaum zuträglich - auch wenn ihr das große Haus schon lange nicht mehr gehört. "Feuchtigkeitsschäden und Putzabplatzungen sowie Mauerwerksrisse, insgesamt sanierungs- und modernisierungsbedürftiger Zustand" heißt es im Exposé des Auktionshauses. Die Fenster im Obergeschoss sind vernagelt, die im Exposé gezeigte Bilder machen nicht den Eindruck, als hätte im Obergeschoss in den vergangenen Jahren irgendwer auch nur irgendeinen Finger gerührt. Die Böden sind mit Glaswolle ausgelegt. Die gemieteten Räume der Bahn sind dagegen in Schuss.

Ob die Mieteinnahmen einen Investor locken können, wird die Auktion zeigen. Für Wohnungen dürfte das Gebäude kaum infrage kommen, die fünf Bahngleise am Bahnhof Irrenlohe - drei für Personen-, zwei für Güterzüge - sind natürlich nach wie vor in Betrieb. Auch ohne königliche Passagiere.
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