Distanz zu Amtskirchen

Der katholische Geistliche Richard Salzl (rechts) und der evangelische Pfarrer Matthias Kietz (links) haben am 30. September 1984 das Franziskus-Marterl im Taxöldener Forst gesegnet. Bild: hfz
Lokales
Schwandorf
06.10.2014
42
0

Der christliche Widerstand gegen die Wiederaufarbeitungsanlage bekam vor 30 Jahren ein Symbol: Das Franziskus-Marterl. Geweiht wurde es allerdings nicht. Über die Gründe sprach Wolfgang Nowak bei einem Treffen der Kernkraftgegner.

Der katholische Geistliche Richard Salzl und der evangelische Pfarrer Matthias Kietz haben am 30. September 1984 das Franziskus-Marterl im Taxölderner Forst gesegnet. Auf diese ökumenische Feier blickte der Mentor der Marterl-Gemeinde, Wolfgang Nowak, beim Treffen der WAA-Widerstandskämpfer am Freitag in der Schwefelquelle zurück.

Ökumenische Bewegung

"Für eine Einweihung hätten wir damals den Bischof fragen müssen", erinnert sich der Sprecher der christlichen Gemeinde 30 Jahre später. "Doch der stand auf der Seite der Staatsgewalt". So habe man es bei einer Segnung belassen. Für Wolfgang Nowak war dieser feierliche Akt der Anfang einer ökumenischen Bewegung, "die für den weiteren Widerstand sehr wichtig war".

Im Arbeitskreis "Theologie und Kernenergie" hätten Christen beider Konfessionen in einer Art und Weise zusammengearbeitet, "die man vorher nicht gekannt hat". Dies bestätigte am Freitag auch Arbeitskreis-Initiator Karl Kirch aus Nabburg.

Zu ihrer Amtskirche seien viele Katholiken damals auf Distanz gegangen, erinnert sich Wolfgang Nowak. Das Verhältnis habe sich mittlerweile wieder normalisiert. "Vor allem seit wir einen Papst namens Franziskus haben", so Nowak. Der in Amberg wohnende Lehrer Friedrich Brandl war 40 Jahre alt, als er "auf die Straße ging". Wackersdorf habe für ihn einen Wendepunkt markiert. "Der Staat hat die demokratischen Spielregeln außer Kraft gesetzt", schreibt der mittlerweile pensionierte Pädagoge in seinem Buch. Der Autor erzählte am Freitag von seinen Erlebnissen am Bauzaun, von autonomen Steinewerfern, von Polizisten, die für Ordnung sorgen sollten, und von Eskalationen mit Verletzten auf beiden Seiten.

Regelmäßige Treffen

Jeder habe seine eigenen Erfahrungen gemacht, sagt Wolfgang Nowak. Und sie seien längst nicht alle aufgearbeitet. Deshalb will er ein regelmäßiges Treffen der WAA-Gegner einrichten, um die Erinnerung an diese Zeit wach zu halten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9310)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.