Dr. Heinz Neumann-Rieger spricht über "Nietzsche und die Religion"
Leugner der Ewigkeit

Lokales
Schwandorf
19.01.2015
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Etwas irreführend war der Titel "Philosophisches Café". Es gab Säfte und sprudelndes Wasser, aber keinen Kaffee. Dafür sprudelten die Gedanken, vor allem die des Referenten, umso heftiger. Im voll besetzten Raum der Volkshochschule äußerte sich Dr. Heinz Neumann-Riegner dezidiert und ausführlich über das Verhältnis Friedrich Nietzsches zu den Maßgaben überirdischer Ordnungen und der Befolgung ihrer Anweisungen.

Zunächst ging der Vortragende auf die allgemeine Bedeutung Nietzsches als Philosoph ein und erklärte, wie Nietzsche ethische Positionen psychologisch wertete. Auch die Ideen des Nihilismus bezog er in seine Überlegungen ein. Die Aussagen Neumann-Riegners zur allgemeinen Bedeutung Nietzsches als Philosoph, was dazu führte, dass ein Teilnehmer meinte, es werde zu wenig auf Religion eingegangen, er deshalb seine Sachen packte, aufstand und ging. Er hätte besser abwarten sollen, denn im folgenden Programmpunkt wurde Nietzsches Verhältnis zur Religion ausführlich dargestellt. Der erste Bereich wird umfassend, dafür der letzte etwas summarisch angegangen.

Zu einer echten Diskussion kommt es kaum, dafür zu einer Menge an Informationen. Nietzsche wird einerseits als Religionsleugner, andererseits als Befürworter von Religion bezeichnet. Beides greift zu kurz. Nietzsche war der Psychologe unter den Philosophen. Er behandelte philosophische Grundfragen oft als Gegendenker und reflektierte über denSatz "Gott ist tot". Der Referent merkte an, wie heutzutage darüber diskutiert werde. Darin zeigt sich, dass Nietzsches Bedeutung als Philosoph anhält. Gleichzeitig war Nietzsche auch Künstlerphilosoph und brachte in seinen Schriften Ideen zur abstrakten Wirkung von Musik ein. Er setzte sich mit den Werken Richard Wagners auseinander. Genauso geschah es, dass sich Komponisten mit seinen Schriften befassten. So etwa Richard Strauß in seiner tiefsinnigen Tondichtung "Also sprach Zarathustra". Nietzsche kritisierte in seinen philosophischen Gedanken stets die Religionen, die den Menschen an bestimmte Ansichten binden wollen, ihm andere vermiesen. Für Nietzsche war alles zeitgebunden. Ewigkeit gibt es nicht. Nachdenklich ging man aus der Veranstaltung, aber genau das wollten Nietzsche und Neumann-Riegner erreichen.
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