Ein Quadratmeter Widerstand

Sie erteilten am Ende der Andacht den Segen (von links): Richard Salzl, Joachim Kendzia und Andreas Schlagenhaufer. Im Hintergrund Wolfgang Nowak, der sich um die Marterl-Gemeinde kümmert.
Lokales
Schwandorf
06.10.2014
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Die Gedanken wanderten zurück zum 30. September 1984. Die Freude war Pfarrer Richard Salzl deutlich anzumerken, als er am Freitag im Taxölderner Forst an die Segnung des Franziskus-Marterls erinnerte. Viele von damals waren gekommen, um diesen besonderen Tag mitzufeiern.

Altlandrat Hans Schuierer ist Stammgast bei der Marterl-Gemeinde, ebenso MdL Franz Schindler. 30 Jahre Marterl und 25 Jahre "Aus" der WAA zogen am Freitag auch Besucher aus Amberg, der nördlichen Oberpfalz und dem Landkreis Cham in den Taxölderner Forst. Sie versammelten sich beim Symbol des christlich motivierten Widerstands gegen das Atomprojekt, das der Region acht Jahre lang den unseligen Ausnahmezustand brachte.

"Gewisse Hindernisse"

Ein Künstler hatte dort den überdimensionalen Christus am Kreuz geschaffen. Der zweite, im Hüttendorf entstandene Jesus-Corpus, war bekanntlich mit Brachialgewalt vom Baum gerissen worden. Zurück blieben die Hände, die - so der evangelische Pfarrer Joachim Kendzia - das Leid ausdrückten, aber auch den Weg zu Frieden und Nächstenliebe dokumentierten.

Richard Salzl ließ die Ereignisse von damals Revue passieren. Demnach kamen im Juni 1983 Leute zu ihm ins Zeltlager und schlugen vor, im Taxölderner Forst eine Kapelle zu bauen. "Nicht so einfach", lautete die erste Reaktion. Der Grund: Zum Bau einer Kapelle wäre die Zustimmung des Ordinariats notwendig gewesen. Und da sah Salzl "gewisse Hindernisse", wie er humorvoll umschrieb. Die Lösung schaute schließlich anders aus. Eine Kapelle oder ein Marterl mit einem Quadratmeter Grundfläche bedurfte keiner Genehmigung. Und genau diese Maße besitzt das Franziskus-Marterl, "da könnt ihr nachmessen".

Natürlich in Eigenleistung errichtet, erfolgte am 30. September 1984 die Segnung. Um die Anlage kümmert sich seither vor allem Wolfgang Nowak aus Fronberg, ebenso um die Marterl-Gemeinde, die in der Folgezeit entstand, "Das Marterl ist bis heute ein christliches Symbol des Widerstands gegen die WAA und für den Glauben an Gott, der uns geholfen hat", resümierte Salzl. Joachim Kendzia stellte den brennenden Dornbusch in den Mittelpunkt seiner Gedanken. Moses sah sich demnach einem Phänomen gegenüber, das "brannte, aber nicht verbrannte". Und ergänzend sagte Kendzia: "Wenn alles so geworden wäre, wie sich das die damals Mächtigen vorstellten, dann wäre hier verbranntes Land." Franziskus sei ein liebenswerter und friedliebender Mensch gewesen. Dass der neue Papst diesen Namen gewählt habe, spreche für ihn. Doch die Friedfertigkeit und Demut riefen auch Neider auf den Plan.

Stammgäste bei den Andachten der Marterl-Gemeinde sind auch die Bläser aus Schwarzenfeld. In gewohnt hervorragender Manier intonierten sie Lieder und Choräle. Das Franziskus-Marterl mit dem großen Kreuz und den abgerissenen Händen wird nicht in Vergessenheit geraten. Auch junge Menschen kommen zu den Andachten. Das nächste Mal am Heiligen Abend.
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