Ein Rucksack voller Wünsche

Landrat Thomas Ebeling nahm sich Zeit für die Mitglieder der "Offenen Behindertenarbeit" und versprach allen eine Antwort auf die Fragen, die Leiterin Regina Suttner (stehend) in einem Rucksack sammelte. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
29.10.2015
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"Inklusion ist mehr als nur Barrierefreiheit", sagt Helmut Ertel, "sie bedeutet die Teilhabe an der Gesellschaft". Der Vorsitzende der "Lebenshilfe Schwandorf" ist sich aber bewusst, dass auf dem Weg zur Eingliederung ein langer Atem nötig ist.

Im Vorfeld der Messe "SADsozial" am 8. November in der Sporthalle Wackersdorf nahm sich Landrat Thomas Ebeling Zeit für ein Gespräch mit Mitgliedern der "Offenen Behindertenarbeit der Lebenshilfe". Leiterin Regina Suttner packte die Wünsche und Anregungen in einen Rucksack und gab ihn de m Landrat mit auf den Weg. "Ich werde allen eine Antwort geben", versprach Thomas Ebeling.

Gisela Schuster sitzt im Rollstuhl und klagt über die hohen Bordsteinkanten, die schmalen Gehwege und die ungünstigen Zeittakte beim Schwandorfer Citybus: "Da bin ich mit dem Rollstuhl schneller zu Hause als mit dem Bus, der ewig rumfährt". Katrin Kraus ist eine sportliche junge Dame und wünscht sich mehr gemeinsame Sportveranstaltungen mit Nichtbehinderten. Regina Kraus dagegen vermisst das gemeinsame Musizieren. Vereinsanschluss sucht auch Christoph aus Schwarzenfeld. Er spricht Monika und Andrea aus der Seele, die ebenfalls gerne schwimmen und Tischtennis spielen. Andreas Mutter bekräftigt den Wunsch ihrer Tochter: "Sie würde gerne öfter mit Nichtbehinderten spielen".

Pflaster ein Drama

Corina kämpft sich in ihrem Rollstuhl durch die Schwandorfer Innenstadt und hat das Mitgefühl ihres Helfers Norbert Liebl: "Das Kopfsteinpflaster auf dem Marktplatz ist ein Drama". Corinas Mutter begleitet ihre erwachsene Tochter "auf dem Weg in die Selbständigkeit". Bei allen Vorzügen erkennt sie auch die Nachteile der Naabwerkstätten: "Dort arbeiten die Behinderten isoliert und abgeschottet". Sie wünscht sich ein Netzwerk von Ehrenamtlichen, "die den Behinderten den Kontakt zu Nichtbehinderten erleichtern". So wie beim Landkreislauf, an den sich Birgit Piehler erinnert, als jeder Teilnehmer einen Paten zur Seite hatte.

Christoph Imbach, der Leiter der drei Wohnheime mit 100 Behinderten, wünscht sich einen Dialog auf Augenhöhe. Man solle die Menschen danach beurteilen, "was sie können, und nicht danach, was sie nicht können". Brigitte Harrieder, stellvertretende Vorsitzende der "Lebenshilfe", vermisst in Schwandorf "eine Begegnungsstätte, in der sich behinderte und nichtbehinderte Jugendliche treffen können".

Irmgard Seifert, Mitglied der "Offenen Behindertenarbeit", will das Thema stärker in die Öffentlichkeit tragen, "damit Barrieren in den Köpfen der Menschen verschwinden".
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