Ein Stück Zeitgeschichte

Grüße von prominenten deutschen Politikern, nach Schwandorf geschickt am 15.Mai 1974 von der 6. Bundesversammlung in Bonn: Helmut Kohl, Richard von Weizsäcker, Karl Carstens, Franz Josef Strauß, Dr. Dionys Jobst und Gerhard Stoltenberg setzten ihr Autogramm auf die Postkarte, die heute ein Stück Zeitgeschichte darstellt. Bild: hou
Lokales
Schwandorf
02.02.2015
22
0

Der am Wochenende verstorbene Altbundespräsident Richard von Weizsäcker war nie persönlich in Schwandorf. Aber Grüße hat er gesandt. Sie stehen auf einer Postkarte, an die Schwandorfer NT-Redaktion, die sorgsam aufgehoben wurde.

Am 15. Mai 1974 tagte in Bonn die 6. Bundesversammlung. Sie kam zusammen, um einen neuen Präsidenten für die Bundesrepublik Deutschland zu wählen. In die damalige Hauptstadt reiste auch der Sonderschulrektor Karl Trettenbach aus Schwandorf. Trettenbach, vor wenigen Jahren gestorben, machte sich neben seiner pädagogischen Tätigkeit auch einen Namen als Mitglied des Bezirkstags, Kreistags und des Schwandorfer Stadtrats.

Niederlage gegen Scheel

Trettenbach kam die große Ehre zu, an der Präsidentenwahl teilnehmen zu dürfen. Zwei Kandidaten gab es: Walter Scheel von der FDP und Richard von Weizsäcker, Mitglied der CDU. Scheel gewann die Wahl. Weizsäcker wurde dann aber zehn Jahre später einer seiner Nachfolger im Präsidentenamt. In der Redaktion unserer Zeitung traf zwei Tage nach der Bundesversammlung eine Postkarte ein, die den Sonderstempel zur Wahl des Staatsoberhaupts trug. Allein dieser Stempel war es wert, die Karte zu archivieren. Von noch größerer Bedeutung aber stellten sich die Unterschriften dar, die das Kartonstück auf seiner Rückseite trug.

Strauß und Kohl

Mit dieser Karte grüßten Politiker nach Schwandorf, die ein Stück deutsche Geschichte schrieben. Ganz oben Helmut Kohl, später Bundeskanzler. Darunter Richard von Weizsäcker, der von 1984 bis 1994 Bundespräsident war und Karl Carstens, der von 1979 bis 1984 die Position des Staatsoberhaupts bekleidete. Ihr Autogramm setzten an jenem 15. Mai 1974 auch der spätere bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß, der damalige Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg und der seinerzeitige Schwandorfer Bundestagsabgeordnete Dr. Dionys Jobst auf die Karte. Eine weitere Unterschrift ließ sich nicht eindeutig zuordnen. Es könnte sich aber um Willy Brandt gehandelt haben. Auch Karl Trettenbach setzte seinen Namen auf die Postkarte und schrieb an den damaligen Redaktionsleiter Wolfgang Houschka: "Herzliche Grüße von der 6. Bundesversammlung an Sie, Ihre Mitarbeiter und alle Leser und Leserinnen." Während Richard von Weizsäcker nie in die Region Schwandorf kam, war sein Bruder Carl Friedrich von Weizsäcker wiederholt zu Gast. Der 2007 verstorbene Philosoph, Physiker und Friedensforscher reiste in die Oberpfalz, um seiner Gegnerschaft zur damals im Bau befindlichen Wiederaufarbeitungsanlage Ausdruck zu verleihen. Dabei kam es mehrfach zu Begegnungen mit dem damaligen Landrat Hans Schuierer.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.