Ein Warenhaus voller Probleme

Auf dem freien Feld (links) an der Libourne Allee soll ein "Kaufland" entstehen. Die Anlieger im angrenzenden Baugebiet sind von dem Vorhaben wenig begeistert. Bild: Götz
Lokales
Schwandorf
07.11.2014
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Bürgerwille gegen Anliegersorgen: Für den Erhalt eines "Kaufland" hatten nach der Schließung viele Schwandorfer unterschrieben. Am Donnerstag billigte der Planungsausschuss einen Vorentwurf für einen Markt an der Libourne-Allee. Nachbarn laufen Sturm dagegen.

Zwischen dem Autohaus "Maschek" im Osten und der Wohnbebauung im Hochrain im Westen soll der Markt entstehen. 90 Meter breit, 50 Meter lang, erschlossen über die Libourne-Allee für Kunden und über die Zufahrt hinter dem "Aldi"-Markt für die Anlieferung. Das ist der erste Knackpunkt: Die Anlieferung wäre zwischen 22 und 6 Uhr wegen des Lärms nicht möglich. Das heißt aber, dass wartende Laster nur einen Steinwurf weit entfernt auf der Zufahrt oder auf dem Parkplatz bei "Aldi/Rossmann" warten würden - möglicherweise mit laufenden Kühlaggregaten. Nicht nur das bereitet auch der Leiterin des Stadtplanungsamts, Sabine Pollinger, Kopfzerbrechen. Sie nannte den Vorschlag "auf Kante genäht" und "bedenklich", schlug aber vor, das Verfahren einzuleiten, um Einwände im Detail auf den Tisch zu bekommen.

Ingenieur Bernhard Bartsch vom gleichnamigen Planungsbüro erläuterte die Planungen des Supermarktkonzerns. Um den Lärmschutz zu den Wohnhäusern überhaupt gewährleisten zu können, wäre eine 300 Meter lange, 3 Meter hohe Lärmschutzwand notwendig. Wo die geplanten Stellflächen an der Libourne-Allee an die Wohnbebauung grenzt, wäre sogar eine Tiefgarage nötig: Die Stellflächen würden um etwa 1,2 Meter tiefer gelegt und mit einem 27 Meter von der Schutzwand auskragendem Dach überspannt.

Das von Horst Pressler (GEO.VER.SUM) vorgelegte Lärmgutachten geht davon aus, dass die Grenzwerte gerade eingehalten werden könnten. Allerdings nur deshalb, weil für die Vorbelastung ein geringerer Abzug (6dB) einberechnet wird, als bislang in diesem Quartier üblich (10dB). Der geringere Abschlag ist aber rechtlich zulässig. Noch relativ einfach zu lösen wäre die Zufahrts-Situation von der Libourne-Allee aus. Hier würde wohl kein Weg an einem Kreisverkehr vorbeiführen. Eine Abbiegespur ist nicht so belastbar.

"Das Kaufland ist gewünscht", sagte Andreas Wopperer (CSU), wenngleich man sich "schönere Standorte vorstellen könnte". Er plädierte dafür, die Planungen dennoch auf die Verfahrens-Reise zu schicken. Dann werde sich zeigen, ob die vielen Probleme in den Griff zu bekommen seien. Auch Manfred Schüller signalisierte für die SPD Zustimmung. Er brachte auch städtebauliche Bedenken ins Spiel: Ein 300 Meter langer "Lärmschutz-Limes" sei "nicht schön". Marion Juniec-Möller (Grüne) sagte, durch die frühzeitige Auslegung könne Transparenz geschaffen werden, weil die Anlieger Einsicht in die konkreten Planungen nehmen können. Entgegen der bisherigen Gepflogenheiten in Ausschüssen gewährte das Gremium auch Anliegern das Wort. Sie äußerten vor allem Bedenken hinsichtlich der Lärmbelastung und führten an, dass die Parkplätze bei "Aldi" und "Rossmann" schon jetzt nachts für allerhand lärmende Umtriebe genutzt würden.

Der Ausschuss billigte einstimmig den Vorentwurf und leitete so die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit ein. Dort können ihrem Ärger nicht nur mündlich, sondern schriftlich Luft verschaffen.
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