Eine Maß in Vierteln

Zwei, die gut miteinander können: Libournes Bürgermeister Philippe Buisson (rechts) und Oberbürgermeister Andreas Feller beim "Fest der Städtepartnerschaften" in Frankreich. Bild: hfz
Lokales
Schwandorf
18.07.2015
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Wenn Kellner Francis im "Grand Café de l'Orient" den Masskrug aus dem Thresen zog, mussten Freunde da sein: Schwandorfer. Warum die in Libourne, mitten in einem der berühmtesten Weinbaugebiete der Welt, Bier wollten, hat seinen Grund.

50 Jahre ist es her, dass die Bürgermeister Georges Kany (Libourne) und Dr. Josef Pichl (Schwandorf) die Partnerschaftsurkunde unterzeichneten, am 25. Mai 1965. Aus einem Zeichen der Versöhnung sind längst Freundschaften entstanden. Generationen von Schülern des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums und des Lycée Max Lindner haben seitdem den Schüleraustausch genossen, kaum ein Abschied blieb ohne Tränen.

Beim Austausch "infiziert"

"Besonders wichtig ist, dass der Schüleraustausch weiter geht", sagt die Vorsitzende des Libourne-Vereins, Sonja Dietl, im NT-Gespräch. Sie weiß aus eigener Erfahrung, was die Besuche für die Partnerschaft bedeuten: Anfang der 1980er-Jahre war sie selbst dabei, pflegt bis heute die Freundschaft zu ihrer Gastgeber-Familie und wurde mit dem "Frankreich-Virus" infiziert.

Eine Partnerschaft über 50 Jahre geht durch Höhen und Tiefen, das hat auch der Libourne-Verein erleben müssen. Der Austausch hakte, der französische Partnerschaftsverein "L'Association Amities Libourne Schwandorf" löste sich nach dem plötzlichen Tod des Vorsitzenden Dr. Nils Abel auf. "Wir haben den Winzerfamilien viel zu verdanken," sagt Dietl, denn über sie und das mittlerweile traditionelle Winzerfest in Schwandorf wurde die Partnerschaft am Leben erhalten, die auf offizieller Linie nur auf Sparflamme kochte.

Das hat sich grundlegend geändert. 2013 wurde die "Association" wieder gegründet, hat mittlerweile rund 100 Mitglieder. Vorsitzende ist Annie Chêne. Für ihrer Einsatz verlieh ihr Oberbürgermeister Andreas Feller beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Partnerschaft die Konrad-Max-Kunz-Medaille.

Libournes neuer Bürgermeister Philippe Buisson setzte die Städtepartnerschaften weit nach oben auf seiner Agenda. Zugute kommt der Entwicklung natürlich ganz besonders, das mit Gabi Höper eine Deutsche im Libourner Stadtrat sitzt. "Das ist zumindest im Département einmalig", erklärt Sonja Dietl. Dazu kommt, dass sich Buisson und OB Andreas Feller offenbar blendend verstehen. "Die funken auf einer Wellenlänge", sagt Dietl. Die Teilnahme Fellers an der "Commemoration", der Gedenkfeier zum Kriegsende, sei eine beeindruckendes Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft gewesen.

"Dafür arbeiten wir"

"Es geht aber nicht um Rathaustourismus", bekräftigt Dietl, auch wenn sie sich darüber freut, dass zuletzt immer mehr Stadtratskollegen mit auf die rund 1400 Kilometer lange Reise zu den Partnern gingen. Die Vereinsvorsitzende freut sich darüber, dass beispielsweise ein Zwölfjähriger aus Libourne gleich für sieben Wochen bei einer Ettmannsdorfer Familie zu Gast ist. "Dafür arbeiten wir," sagt sie. Auch auf der sportlichen Schiene sollen wieder verstärkt Kontakte geknüpft werden.

Und der Masskrug? Irgendein Schwandorfer hatte ihn dem "L'Orient" überlassen. Im Grand Café, wie überall in Frankreich, wird der Gerstensaft sonst eher in Viertellitern ausgeschenkt. Francis präsentierte den Krug seinen Gästen voller Stolz. Dann kam die eigentliche Schau: Der Krug passte nämlich nicht unter den Zapfhahn, und so musste Francis Viertel für Viertel umfüllen, bevor er die Maß kredenzen konnte.
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