Einmalige Einigkeit über WAA

Am Heiligen Abend versammeln sich alljährlich noch immer WAA-Gegner früherer Tage beim Franziskus-Marterl in der Nähe von Altenschwand, um des Widerstands gegen die atomare Wiederaufarbeitungsanlage zu gedenken. Dort soll nun auch eine Hinweistafel platziert werden, um die Vorgänge aus den achtziger Jahren wach zu halten. Archiv-Bild: Götz
Lokales
Schwandorf
23.03.2015
4
0

Nun soll es am Rande des einstigen Baugrundstücks doch Stätten der WAA-Erinnerung geben. Der Kreistag kam am Montag einstimmig zu einem Kompromiss, den Landrat Thomas Ebeling eingefädelt hatte.

Den Antrag der SPD-Fraktion, einen "WAA-Erinnerungspfad" zu installieren, lehnte der Kreisausschuss vor zwei Wochen mit großer Mehrheit ab (wir berichteten ausführlich). Eine Kehrtwende vollzog am Montag der Kreistag.

Im Plenum bekam SPD-Sprecherin Evi Thanheiser nochmals Gelegenheit, die Initiative der Sozialdemokraten zu begründen. 25 Jahre nach dem WAA-Stopp sei es höchste Zeit, vor Ort an Brennpunkte des Widerstands zu erinnern. Gerade auch mit der darauf folgenden, positiven Entwicklung bleibe die geplante WAA für immer ein Teil der Landkreis-Geschichte. Sie präzisierte: Es gehe der SPD nicht darum, einen Wanderweg auf oder an Firmengeländen zu erstellen, sondern drei markante Stätten (Hüttendorf, Chaoten-Eck, Franziskus-Marterl) zu kennzeichnen.

Nicht bloß ins Museum

Der Landrat wiederholte: Dem Kreis gehöre der betreffende Grund nicht, er könne also nicht agieren. Thomas Ebeling berichtete, dass unabhängig davon die LAG "Oberpfälzer Seenland" ein Projekt forciert (dazu grüner Kasten). Und er machte einen Kompromissvorschlag: In einem Gespräch habe sich BMW-Standortleiter Thomas Dose einverstanden gezeigt, wenn zwischen dem einst als Brennelemente-Eingangslager geplanten und einem weiteren exponierten Bau aus der WAA-Zeit eine Tafel auf öffentlichem Grund platziert werde. Außerdem gebe es keine Anzeichen dafür, dass der WAA-Themenkomplex nicht ins "Museum der Bayerischen Geschichte" in Regensburg aufgenommen würde. Im Gegenteil: Es sei vorgesehen, den auf Antrag der CSU formulierten Wunsch des Landkreises zu berücksichtigen und die WAA als eines von fünf Themen im Kapitel 1975 bis 2000 ausführlich widerzuspiegeln.

Der Kompromiss löste in mehreren Wortbeiträgen Zustimmung aus, auch beim Wackersdorfer Bürgermeister und CSU-Kreisrat Thomas Falter. Stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl (ÖDP) appellierte darüber hinaus, das Gedenken noch stärker an konkreten Orten des Geschehens wachzuhalten. Er trat dafür ein, zusätzlich zumindest das noch immer existente Franziskus-Marterl zu markieren, womit er auch die SPD auf seiner Seite hatte. Landrat Ebeling gab zu bedenken: Auch dort gehöre die Fläche nicht dem Landkreis, sie liege im Privateigentum in der Gemeinde Bodenwöhr. Dann solle man darüber verhandeln, meinte Thanheiser.

Auf Ausgleich bedacht

An dieser Stelle gestattete sich Thomas Ebeling (CSU) den Hinweis, dass man es doch als Signal verstehen solle: Obwohl der Kreisausschuss den SPD-Antrag abgelehnt hatte, habe er als Landrat noch daran gearbeitet. Wenn die SPD damit nicht zufrieden sei, so lasse sie schon den leisen Verdacht aufkommen, dass der Antrag nur politisch motiviert war. MdB und Kreisrätin Marianne Schieder signalisierte für die SPD, dem Kompromiss zuzustimmen, sofern eine Beschilderung des Franziskus-Marterls noch aufgenommen werde. Es gelte, dafür in Gesprächen die rechtlichen Grundlagen zu schaffen.

Landrat Ebeling bot an, ein Hinweisschild ab der Kreisstraße SAD 18 aufzustellen. Er ging auch darauf ein, Verhandlungen mit der Gemeinde Bodenwöhr zu führen, um letztlich den Kimmerl-Vorschlag realisieren zu können. Doch dann müsse es genug sein. Weitere Kennzeichnungen, zum Beispiel des "Chaoten-Ecks", lehnte er ab. "Dort sind die friedlichen Leute aus dem Landkreis eh nicht gewesen", erinnerte sich sein Stellvertreter Jakob Scharf (CSU), selber einst WAA-Gegner, noch gut. Schließlich fasste der Kreistag einstimmig einen dreiteiligen Beschluss.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.